Spinnen-Netze weben

Einmal sah ein kleiner Junge eine große Spinne ihr Netz weben. Die seidenen Fäden schwangen mit dem Wind, Tautropfen, wie Diamanten glänzend, schwebten vor dem blauen Herbsthimmel. Mit leuchtenden Augen griff der Junge nach dem Netz. Das Gewebe blieb an seinen Fingern haften, die Spinne fiel zu Boden. Erschrocken verharrte der Junge. Die Spinne kletterte unbemerkt an seinem Bein hinauf über den Rücken bis auf seinen Kopf. Dann schoss sie einen hauchdünnen Faden in die Luft, flog weit, landete auf einem Ast und begann ein neues Netz zu spinnen.

Löschkultur

Die Amsel zwitschert, tönt, unterhält sich, kommuniziert von erhobener Position im Innenhof. Für mich ist es die Amsel, nicht mehr nur irgendeine Amsel, weil ich ihr seit Tagen zuhöre und sie mir vertraut geworden ist. Unbeschwert, leicht, ausgelassen, erregt: Mit Worten aus meinem begrenzten menschlichen Beschreibungsschatz deute ich ihre Laute. Im Grunde genommen weiß ich nichts. Heute zum Beispiel frage ich mich, ob es unter den Amseln auch Korrektheits-Deuter*innen gibt, also solche, die sie loben für oder sich aufregen über das, was sie mitzuteilen hat oder was gerade so aus ihr heraussprudelt. Der Gedanke, es könnte so sein, kommt mir völlig abwegig vor. Löschkultur bei Amseln? Eine Amsel ist eine Amsel ist eine Amsel… Ein Mensch ist ein Mensch ist ein Mensch… bevor er in Schubladen eingeordnet wird. Sich zu unterhalten, zu kommunizieren ist von dort aus kaum mehr möglich.

Wie die Häsin die ersten Ostereier brachte

Den Bauch voll frischer Wildkräuter und zartgrüner Blätter saß einmal vor langer Zeit in einer klaren Nacht eine junge Häsin auf den Hinterläufen und sah hinauf zur Frühlings-Vollmondin. Ihre ersten acht Kinder hatten das Nest verlassen, und sie war voller Unternehmungslust. Nur fehlte ein passendes Abenteuer. Die Häsin seufzte, wandte sich um und wollte schon weiterhoppeln, da umfing sie ein sehr helles Strahlen. Sie drehte ihre Augen um 360 Grad. Die Mondin schien näher denn je, und irgendwie war’s der jungen Häsin, als ob auf dem leuchtenden Planeten eine Artgenossin liegen würde. Sie spürte einen geheimnisvollen unwiderstehlichen Sog, schlug einen Haken in Richtung Mondin und schnellte mit einem unglaublichen Satz zu den Sternen.

Mit einem Dreifach-Purzelbaum landete die Häsin auf dem Mond. Sie setzte sich auf und lauschte. Sie spitzte ihre langen Ohren, mit denen ihr auf der Erde nicht das kleinste Geräusch entging, und hörte…nichts. Es war vollkommen still. Und doch sprach die Mondin auf eine ganz eigene Weise mit ihr. Das Herz der jungen Häsin schlug in einem eigentümlich anderen Rhythmus, und sie fühlte ihr Blut sanft durch ihren Körper fließen. In ihrem Kopf tauchten unvermutet Bilder wie im Traum auf. Die junge Häsin ließ sich von ihnen leiten. Sie fand eine Stelle, die bedeckt war mit einem tiefroten Pulver. Sie füllte ihre Backen damit, hoppelte noch einmal eine Runde über diesen ruhigen, steinigen Planeten und sprang mit einem riesigen Satz in die Weite des Weltalls.

Mit lautem Getöse fiel die Häsin auf die Erde zurück. Sie durchbrach das morsche Dach eines Hühnerstalls und plumpste direkt in ein großes Nest mit frisch gelegten Eiern. Stöhnend öffnete sie den Mund, ohne an den Inhalt zu denken. Das rote Mond-Pulver, nun vermischt mit ihrem Speichel, ergoß sich über die Eier. Aufgeschreckt vom Lärm, kam die Bäuerin in den Stall gerannt. Da schoss die junge Häsin wie ein Blitz zwischen ihren Beinen nach draußen. Die Frau staunte nicht schlecht, als sie sah, was sich im Stroh befand: natürlich Eier, doch von einer tiefrot leuchtenden Farbe, wie sie sie noch nie zu Gesicht bekommen hatte.

Die Frau legte die Eier, 13 an der Zahl, vorsichtig in ein Weidenkörbchen. Als sie aus dem Stall trat, blickte sie zum frühmorgendlichen Himmel hinauf. Die Vollmondin stand orange mit roten Sprenkeln über ihr. Die Bäuerin sah in den Korb und wieder verwundert hinauf. Wie von einer unsichtbaren Kraft geführt, ging sie in die Küche, setzte einen Topf Wasser auf und kochte die Eier darin. Dann kleidete sie eine ihrer schönsten Schalen mit Moos aus und legte die roten Eier hinein. Kaum das sie fertig war, kamen ihre Kinder die Treppe heruntergerannt. Gebannt starrten sie in die Schale. Ihr Jüngster sah die Mutter fragend an. Die sprach lächelnd: „Die Eier hat uns eine Häsin zu Ostern gebracht.“

Visionen nähren

Im Zwitschern der Vögel löst sich die eisige Stille auf. Die Raunacht-Träume verweben sich mit dem Tun und Fühlen im Alltag. Mit den Geschenken der Zeit zwischen den Jahren im Gepäck können wir achtsam und respektvoll beginnen, unsere Visionen für uns und für die Welt in der unterstützenden Geborgenheit von Mutter Erde zu nähren. Die Neumondin lädt ein zu tiefer Heilung und Veränderung.

Heimat(en)

Der Flug der Kraniche

11.11. Verwandlung

vollzieht sich im Stillen.

Ich schmücke mich mit fremd-vertrauten Federn.

Lasse mich im Kranichgewand von der Windin tragen.

Verkünde wehmütig meine Reise

ins glitzernde Land der Herzens-Wärme.

Begleitet von meiner großen Familie.

Im Vertrauen folgend.

Im Wissen führend.

Ich fliege im freien Flug zu den Sternen.

Kehre zurück.

Lasse mich im Menschengewand von der Erde tragen.

Gesetzeswiese

Den Überblick behalten

Es gibt so viele Wahrheiten wie es Menschen gibt, und es gibt ein einziges Gesetzeswerk, das unumstößlich ist: das der Erde inmitten eines für uns unüberschaubaren Universums. Geflüchtet vor Angst in den Rausch des kontrollierenden Machens mag es banal klingen: aus dem Kreislauf des Werdens, Seins und Vergehens werden wir uns bei allen Science-Fiction-Fantasien nicht herauskatapultieren können. Und wenn wir es versuchen, bezahlen wir mit unserer Seele. Davon erzählen tausende Geschichten.

Die Krähen, sagen die Schamaninnen und Schamanen, kennen und hüten die Heiligen Gesetze. Sie treffen sich zum großen Palaver in den Buchen, auf Dachspitzen sitzen sie hoch oben still und wach, im Park verstreuen sie den Wohlstands-Verpackungsmüll, ihre Rufe sind Begleiter durch den Tag. Sie nerven, bis sie gehört werden. „Beachtet die Heiligen Gesetze!“ Dir selbst und deiner Verbindungen bewusst, bietet diese Gesetzeswiese dir ein kreisrundes Spielfeld voller wieder zu erinnernder Möglichkeiten.

Geh den Weg in Schönheit

Es gibt eine Legende über einen kleinen grauen Schwan, der sich dem spiraligen Strudel des Schwarzen Lochs hingibt, jenseits der Sinnestäuschungen die Wunder des Universums erkennt und als stolzer weißer Schwan voller Grazie und Anmut wiederkehrt. Weil er sich vertrauensvoll hat fallen lassen, bekam er Zugang zu allen Ebenen des (Bewusst-)Seins. Weil er seinem Impuls gefolgt ist, erlangte er innere Schönheit. Strahlend und in Selbstgewissheit gleitete er fortan über das Wasser des Lebens.

Coyote in einer ver-rückten Welt, Teil 3

Die Höhle war kalt und modrig. Coyote zog sie der Welt draußen vor. Er rollte sich noch kleiner zusammen. Die Menschen waren ihm schnurzpiepegal. Sie wollten nichts von ihm wissen. Ja, neuerdings mieden sie ihn regelrecht. Dabei hatte er nun wirklich keine Ähnlichkeit mit einer chinesischen Fledermaus.

Er dachte nach – über das Leben und über den Tod, als plötzlich ein heller Strahl in sein dunkles Domizil drang. Coyote schnappte nach Luft. „Nein, bitte nicht, ich will noch nicht sterben!“, schrie er und legte eine Pfote an die Brust. „Weiteratmen“, rief ihm eine fröhliche Stimme entgegen. Caote, seine mysteriöse Begleiterin, lugte in die Höhle. Coyote erkannte sie an ihrer Kopfbedeckung aus allerlei Vogelfedern, die sie sich in die Stirn gezogen hatte. Den Rest des Gesichts verdeckte eine dieser Masken, mit denen sich die Menschen zurzeit vor ihrer Umwelt verbargen. Caotes Maske war sehr hipp. Zwei kleine Seehunde spielten darauf mit einem Ball voller lustiger kleiner Noppen.

Caote nahm die Maske ab und holte tief Luft. „Ich habe mich ein bisschen unter den Menschen umgeschaut“, sagte sie. „Was du gerade machst, nennen sie Quarantäne.“ Caote kratzte sich unter ihrem Hut. „Ist vielleicht wie bei dir ein Kommunikationsproblem“, sagte sie. „Du willst keinen Kontakt zu Menschen, die Menschen wollen keinen Kontakt mit einem Virus.“ Caote stellte ihren abgewetzten Rucksack vor Coyote und zauberte Lammkoteletts heraus. Coyote machte sich über das Fleisch her und war für wenige Minuten sehr zufrieden.

Kaum hatte Coyote den letzten Bissen hinuntergeschluckt, sprang Caote auf. „Mir scheint, es hat mich gerade eine Nachricht der Esche erreicht“, sagte sie und lauschte in den Wind. Coyote verdrehte die Augen. Seine Begleiterin hörte öfter mal Stimmen – nicht nur die von Bäumen. „Sie fragt, worauf du noch wartest.“ Coyote seufzte und dachte im Stillen: Ich habe keinen Mumm mehr in den Knochen. „Hab‘ ich der Esche auch gesagt“, sagte Caote schulterzuckend. Coyote knurrte grimmig, stieß sich blitzschnell vom Boden ab, fuhr seine Krallen Richtung Caote aus und stürzte sich auf sie. Gewandt befreite sich Caote aus dem Griff der Pfoten und rannte davon. „Hey, da geht noch was, Alter“, rief sie Coyote zu. Nach einer wilden Verfolgungsjagd ließen sich beide lachend in eine Frühlingswiese fallen. Da wusste Caote, dass sie der Lösung ihrer dritten Aufgabe schon sehr nahe waren.

Zwei Aufgaben der Esche hatte Coyote mit Caotes Unterstützung bereits erfüllt, und doch fühlte er sich seinem Ziel keinen Schritt näher gekommen. Die Menschen wollten von seinesgleichen nichts mehr lernen. Die Verrücktheiten und Anwandlungen von Größenwahn des Kojoten waren nichts im Vergleich zu ihren. „Aber du kennst im Gegensatz zu ihnen die Tricks, aus dem Schlamassel auch wieder herauszukommen“, gab Caote zu bedenken. Coyote war es immer noch ein Rätsel, wie ihm die Aufgaben eines alten Baumes dabei helfen sollten, dass die Menschen ihn wieder beachteten. „Die dritte Aufgabe hört sich so an, als sei sie von einem fernen Stern gechannelt“, sagte er höhnisch. „Finde heraus, wonach sich eine winzige Maus und eine kleine Fee ebenso sehnen wie ein großer Junge und eine alte Frau“, lautete sie. „Ich hasse diesen esoterischen Mist“, brummte Coyote. Caote lachte: „Ich auch!“ Doch sie ahnte, dass die alte Esche eine echte Magierin war. Coyote irgendwie auch. So machten sie sich also auf den Weg.

Coyote trottete neben Caote durch die Straßen, als eine junge Frau ohne ihn zu sehen schnurstracks auf ihn zulief. „Pass auf!“, rief Coyote, da fiel die Frau schon über ihn drüber. Ihr Smartphone flog durch die Luft und landete in Caotes ausgestreckter Hand. „Hui, gut gefangen.“ Die Frau atmete erleichtert durch und rappelte sich auf. Dann versuchte sie zu verstehen, wen sie vor sich hatte. „Whow“, rief sie, „ein Kojote und ein Hippiemädchen!“ Sie tippte schnell auf ihrem Smartphone. „Seid ihr auf Instagramm? Ich möchte dich als Follower, Kojote. Suuuper!“ Der Kojote und das vermeintliche Hippiemädchen sahen sich verständnislos an. „Follower?“, fragte Caote. „Verehrer, heißt das“, flüsterte Coyote und checkte, ob die junge Frau ihm gefallen könnte. Mhm, sie war ein Mensch. Ein Mensch, wie sich bald herausstellte, der zu einer „krassen Community“ gehörte. Caote fand sie schrill und sehr einsam. Coyote wurde zum Follower, und die junge Frau eilte freudig davon.

Die große Stadt war ungewöhnlich leer. Am Rande einer Bahnunterführung saß eine alte Frau auf ihrem Rollator und fütterte Tauben. Ausgelassen sprang Coyote in die Gruppe der Vögel, die wild aufflatterten und davonflogen. Die alte Frau begann zu weinen. „Das sind meine Freunde, meine Freunde“, schluchzte sie leise. Coyote wollte sich entschuldigen. Die Frau zitterte heftig vor Angst, als er sich ihr näherte. „Der tut nichts“, sagte Caote, „der will nur gestreichelt werden.“ Schelmisch grinste sie Coyote zu, der sie am liebsten erwürgt hätte. Doch die alte Dame blickte ihn so traurig an, dass Coyote sich wie ein braver Hund neben sie setzte und sie mit seiner Schnauze anstupste. Die alte Dame kraulte ihn und erzählte den beiden von ihren Kindern und Enkelkindern, die auf der anderen Seite des Erdballs lebten.

Nachdenklich und ohne Ziel ließen sich der Coyote und Caote weiter treiben. „Was bist du denn für ein haariges, hässliches Biest?“ Ein schon sehr großer Junge stellte sich ihnen in den Weg. In seinen Händen hielt er einen Fußball, den er Coyote mit voller Wucht gegen die Nase warf. Coyote fletschte die Zähne, da warf sich Caote dazwischen. „Was bist du für eine dämliche Zicke?“, schrie der Junge. Caote erklärte ihm in sehr schönen Worten, warum sie keine dämliche Ziege und Coyote kein hässliches Biest war, nahm den Ball, jonglierte ihn gekonnt mit dem Fuß und köpfte ihn zu dem Jungen. Die drei kickten gemeinsam, bis es dunkel wurde.

Coyote und Caote betrachteten die volle Mondin. Es war sehr still. Da flitzte eine Maus an ihnen vorbei, gefolgt von einem kleinen Zwerg. Eine gitzernde Fee schwebte dahin, und ein Wesen, für das sie keinen Namen kannten, stapfte über die Wiese. Sie waren alle in dieselbe Richtung unterwegs. „Lass uns mal schauen.“ Caote war neugierig. Wenige Schritte entfernt saß ein junger Mann mit gekreuzten Beinen auf einer Matte. Um ihn herum hatten sich der Zwerg, die Maus, die Fee und das unbekannte Wesen versammelt. Sie sahen den Mann gespannt an, doch der sah sie nicht. Seine Augen waren geschlossen. „Die Menschen nennen das meditieren“, flüsterte Caote. Coyote setzte sich neben die Maus, Caote neben den Zwerg. So saßen sie einträchtig beieinander. Plötzlich stöhnte der junge Mann laut auf und schlug mit den Fäusten auf den Boden. Die Maus, die Fee, der Zwerg, das unbekannte Wesen, Caote und Coyote flitzten erschrocken davon. „Verdammt! Ich sehe nichts!“, rief der junge Mann, vergrub den Kopf zwischen den Armen und schimpfte mit sich selbst.

„Das wird mir langsam alles zu ernst!“ Coyote lief missmutig im Kreis. „Ich will Lammkoteletts essen und schmutzige Witze erzählen“, rief er. „Ich will Musik machen und tanzen“, gab Caote zurück. „Ich will eine Kojotin lieben“, erwiderte Coyote. „Ich will eine Frau küssen und einen Mann in den Arm nehmen“, sagte Caote. „Ich will mit einer Maus einen Baum hochjagen.“ „Und ich mit einem Kind auf einen Baum klettern.“

„Und ich will, dass ihr zu mir kommt, aber nicht allein!“ Coyote und Caote sahen sich fragend um. „Wer hat das gesagt?“ Caote lächelte. „Die Esche!“ So luden die beiden Aufgaben-Löser*innen ein paar Erdenbewohner ein, mit ihnen die Esche zu besuchen: die junge Frau von Instagramm, die alte Dame mit ihren Tauben, den fußballspielenden Jungen, die Maus, die Fee, den Mann auf der Yoga-Matte, den Zwerg und das Wesen, für das sie noch keinen Namen kannten. Wer sich ihnen auf ihrem Weg anschließen wollte, war herzlich willkommen. Sie begegneten dem Eichhörnchen, das für Coyote drei Eicheln ausgegraben hatte, dem Mitbewohner der Klugscheißerin Alexa, dem kleinen Mädchen, das sich gerne in der Wiese wälzte, dem Lieblingspizzabäcker und dem Lieblingstürken, dem Mann in piekfeinem Anzug und der Frau im superschicken Business-Kostüm, die Coyote und Caote eine Geruchsprobe verweigert hatten. Sie alle gingen mit ihnen.

Als sie die alte Esche in ihrem Wald erreichten, staunten die Menschen, Tiere und anderen Wesen nicht schlecht. Die köstlichsten Speisen und Getränke waren unter dem lichten Blätterwerk des Baumes ausgebreitet. Jede und jeder fand einen passenden Platz, und sie feierten miteinander das, wonach sie sich alle sehnten: Gemeinschaft.

Medizin der Natur

Für eine Weile besteht meine Welt aus einem Reiher und mir am Ufer des Rheins. Die Gedanken ruhen, die Seele kann baumeln. Ich sinke in Bilder, die die Kraft haben zu heilen und tauche wieder auf, um im Leben zu sein statt am Leben zu sein.

Geschichten erinnern

Das Rotkehlchen erzählt

Das Lächeln der Vollmondin entwischt dem distanzierten Kamerablick, die Unterhaltung der Rotkehlchen entzieht sich der distanzlosen Teilen-Funktion. Respektvolles Schauen, Hören, Staunen halten den passenden Abstand fernab ersonnener Regeln.

„Mit allen Sinnen be-greifen“ lässt sich in seiner ungeahnten Vielfalt erproben. Dabei offenbaren sich Geschichten über das Land und die, die auf, mit und in ihm leben, die etwa nur die geheimnisvolle Mondin und das kleine Rotkehlchen zu erzählen wissen. Selbst wenn diese Geschichten nicht gleich zu verstehen sind, finden sie ihren Platz im Gedächtnis unserer Körper. Mag sein, dass sie uns auch erinnern an fast Vergessenes im reichen Schatz unserer ureigenen und gemeinsamen inneren Weisheits-Bibliotheken.