Mit Kali auf dem Zaun reiten

Traurig, wütend, fassungslos, verwirrt – bin ich, abwechselnd, immer mal wieder. Hinter, über, unter, in mir kichert – die Hexe gemeinsam mit den Krähen. Die Zaunreiterin balanciert einigermaßen sicher auf ihrem schmalen Grat durch sichtbare und verborgene Welten, sowohl die eine als auch die andere Seite im Blick. Die Krähen kennen die Gesetze, die Hexe in mir ahnt sie oft nur. Und manchmal spüre ich sie in meinem Körper und meinem Herzen. Dann weiß ich um sie. Voller Freude, im tiefen Gefühl der Verbundenheit. Alles, was spalten will, verliert seine Macht. Ich bin offen in mir und für die Welt, die wir Erdenwesen in so vielen Facetten mitgestalten.

All die Fragen, die mich umtreiben, haben durch die Zaunreiterin, die sich nicht einfangen lässt, die Chance, eine Antwort zu bekommen – unabhängig von Sachzwängen, mir meiner Ängste bewusst, in großem Respekt vor allem und für alles, was ist:

Was heißt Frieden?

Wie können wir weiter miteinander kommunizieren?

Was bedeutet es, in Verbundenheit zu leben?

Wann sind wir frei?

Welche Energien wollen wir nähren?

Welcher ist mein, unser Weg der Heilung?

Eine Frage begleitet mich dabei wie ein roter Faden – nicht zuletzt um meiner Trauer, meiner Wut, meiner Fassungslosigkeit und Verwirrtheit den gebührenden Platz einzuräumen:

Kann ich Kali in die Augen schauen, die für den Tod tanzt, weil es ohne diesen kein Leben gibt?

* Mehr über Kali erfahren kannst du zum Beispiel auf der Webseite artedea.net/kali/

Alles ist Bewegung

Balance mag ein Augenblick des Stillstands sein. Zur Frühlings-Tagundnachtgleiche stehen die Waagschalen von Hell und Dunkel im Gleichgewicht. Doch was innezuhalten scheint, ist längst schon wieder in Bewegung. Wenn wir uns wünschen, die Zeit möge stillstehen, fürchten wir im Grunde die ungewisse Veränderung. Das Leben lässt sich nicht aufhalten, es ist weder fest und starr noch vorhersehbar. Es ist ein unendliches Spiel, spontan, unberechenbar und unglaublich kreativ. Allein welche Bewegung ich in das große Netz der Erdenfamilie hineingebe, liegt in meiner Hand.

Leuchten im Halbschatten

Der Bärlauch schenkt uns nach dem Winter viel grüne Kraft

Aufgetaucht aus der feuchten Erde, sattgrün leuchtend im geheimnisvollen Halbschatten, lässt er sich nicht schrecken von eisigen Nächten: Der Bärlauch zeigt sich, um das Leben zu nähren. Er ist ein Kind der Dunkelheit, des Nichts, erschaffen im Gestaltungsraum des inneren Leuchtens, in dem nichts ausgeschlossen und alles möglich ist.

Ich beuge mich hinunter zu den Blättern, pflücke sie einzeln, unter meine Fingernägel legt sich ein grünbrauner Rand. Mutter Erde.

Mehr zum Bärlauch und weiteren Frühlingskräutern

Reiher-Weisheit

Ruhe bewahren

Manchmal ist es von Vorteil, abzuwarten und die eigene Balance zu halten. Der Reiher ist ein Meister in dieser Kunst. Das Verstehen erwächst aus der Stille, in der sich die eigene Stimme Gehör verschaffen kann. Der Reiher, der mir begegnet, steht unerschütterlich auf einem Bein, nichts bringt ihn auf, er ist geschützt auf einem hohen Ast abseits des Welten-Lärms. Erst, wenn er das wahrnimmt, was er braucht, wird er sich bewegen. Entschieden und klar. So lehrt er uns, schnell, schlau, kreativ und nicht zu laut zu sein.

Fragen

Entwurzelt

Geimpft oder nicht geimpft?

Ich trete einen Schritt zur Seite, heraus aus der Schusslinie. Und frage dich – und mich:

Hörst du die Kraniche in den Süden ziehen und sprichst mit dem Baum vor deiner Haustür?

Tanzt du mit dem Frühlingsregen und pfeifst mit der Herbst-Windin?

Wälzt du dich an einem kalten Wintertag im Schnee und in der Sommersonne auf einer grünen Wiese?

Spürst du die Verbundenheit in deinem bunten Netz von Beziehungen zu Menschen, Tieren, Pflanzen, Steinen, Sternen?

Kannst du all-ein sein in deinem Zimmer, im Wald, in der Großstadt, in der Nacht, in dir?

Fließen deine Tränen und tost dein Lachen?

Fliegen deine Träume und landen deine Füße auf fester Erde?

Streichelst du das Feuer und überlässt dich der Glut?

Erkennst du deinen Körper mit verbundenen Augen?

Kannst du dich hingeben und verschenken von ganzem Herzen?

Dankst du dem Leben und ehrst du den Tod?

Bist du bereit, hinabzutauchen ins Chaos, ins Ungewisse, ins Nicht-Wissen?

Nein?

Probier’s mal! Ich bin dabei.

Egal ob geimpft oder nicht geimpft.

Spinnen-Netze weben

Einmal sah ein kleiner Junge eine große Spinne ihr Netz weben. Die seidenen Fäden schwangen mit dem Wind, Tautropfen, wie Diamanten glänzend, schwebten vor dem blauen Herbsthimmel. Mit leuchtenden Augen griff der Junge nach dem Netz. Das Gewebe blieb an seinen Fingern haften, die Spinne fiel zu Boden. Erschrocken verharrte der Junge. Die Spinne kletterte unbemerkt an seinem Bein hinauf über den Rücken bis auf seinen Kopf. Dann schoss sie einen hauchdünnen Faden in die Luft, flog weit, landete auf einem Ast und begann ein neues Netz zu spinnen.

Neue Botschaften für den Kopf

„Das Kommende lässt sich nicht sagen. Erst, wenn es da ist, findet es die Sprache, sich selbst zu benennen“, sagte einmal die weise Schamanin Ute Schiran. Unser Gehirn ist auf vielerlei Arten mit unseren anderen Körperteilen verbunden. Vielleicht steht es an, dem Verstand vom Bauch und vom Schoß, von den Augen und den Händen, von der Leber und der Galle neue Signale zu schicken, die er zur gegebenen Zeit übersetzen kann. Also lernen wir jetzt, da der Worte zuviel und zu wenig sind, unseren Körper besser kennen. Was wünscht sich das Herz, welche Bedürfnisse hat der Darm, was tut den Füßen gut. Was bringt unsere Hüften zum schwingen und unsere Nase zum sich öffnen. Wie lachen unsere Augen und schmeckt unser Mund…

Lebensfluss

Das Wasser lässt Grenzen verschwimmen

„The river ist flowing, flowing and growing…“ Ich blicke über das Geländer der Rheinbrücke in den reißenden Strom und singe leise zum erdbraun getönten Wasser. „…The river is flowing back to the sea. Mother Earth, carry me, your child I will always be, Mother Earth, carry me back to the sea“.

Ich wünschte, die Fluten rissen uns aus dem Glauben, wir Menschen könnten dem Lebensfluss Regeln und Grenzen setzen.

Mit Zwergenkraft in den Tag tanzen

Am Wegesrand entdecke ich einen Zwergenthron. Stabil und luftig unter Buchenzweigen steht er da. Die Schatten der noch frühlingsgrünen Blätter huschen über das von Wind und Regen polierte Holz. Im Weitergehen breite ich die Arme aus, strecke sie zum Himmel und singe ein altes Frauenkraftlied. Ich lache zur Morgensonne hinauf, klatsche in die Hände, ploppe mit den Lippen Trommellaute und tanze mit den sich sanft wiegenden Wildblumen. Die strahlende Wärme bewegt meinen Körper und meine Seele.

Tanzen ist ein schöner Morgenbeginn. Das kannst du zu deinem eigenen inneren Lied oder zu einem deiner Lieblingssongs machen. Fange mit behutsamen Bewegungen an und lass dich von den Impulsen deines Körpers führen.

Apfel, Fünfstern und Beltane

Es gibt Menschen, die einen Apfel quer aufschneiden, um vor dem Verzehr ein besonderes Zeichen der Gesundheit und der Erkenntnis zu Gesicht zu bekommen. Im Kerngehäuse der hoch geschätzten Frucht ist das Pentagramm zu erkennen. Der fünfzackige Stern zeigt sich auch in den Blüten. Diese öffnen sich gerade, kurz vor dem Jahreskreisfest der Sinnlichkeit, in ihrem reinen Weiß durchmischt mit karminrotem Rosenrot.

Himmel und Erde kommen sich nahe, alles fließt ineinander, alles ist miteinander verbunden: der Apfel mit dem Pentagramm, das Pentagramm mit dem Fest Beltane, Beltane mit der Venus, die Venus mit dem Fünfstern, der Fünfstern mit dem Apfel… und alles mit dem Erkennen der Lebensenergien.

An Beltane, in der Nacht zum ersten Mai feiern wir die unbändige Feuerkraft, auch die eigene. Der Winter mit Frost und Schnee ist endgültig vorbei, die Sonne lockt die Früchte der Erde und die Menschen nach draußen. Die Natur versorgt uns wieder üppig, die Tage sind lang und hell.

Hell leuchtet auch die Venus. Ihr Strahlen ist selten zu übersehen, sie ist der Morgen- und der Abendstern. Der Apfel ist die Frucht dieser berührenden, vereinigenden, liebenden, sinnlichen, lebenserhaltenden Göttin. Im kosmischen Tanz der Venus erscheint wie im Apfel der Fünfstern. Bei ihrer Bewegung um die Sonne trifft sich die Venus immer wieder an genau denselben fünf Punkten mit der Erde. Die beiden zeichnen so im Weltall ein unsichtbares Pentagramm.

Das Pentagramm bildet eine ungebrochene Linie, die ohne abzusetzen endlos überzeichnet werden kann. In der Tradition der weisen Frauen stehen seine Spitzen für die vier Elemente und die Geistin. Es schafft den (Schutz-)Raum für freie Entfaltung und Wandlungsfähigkeit. Hier schließt sich der Kreis zum Apfel: Sein Baum ist eine Quelle der Erkenntnis.