Lebensfluss

Das Wasser lässt Grenzen verschwimmen

„The river ist flowing, flowing and growing…“ Ich blicke über das Geländer der Rheinbrücke in den reißenden Strom und singe leise zum erdbraun getönten Wasser. „…The river is flowing back to the sea. Mother Earth, carry me, your child I will always be, Mother Earth, carry me back to the sea“.

Ich wünschte, die Fluten rissen uns aus dem Glauben, wir Menschen könnten dem Lebensfluss Regeln und Grenzen setzen.

Mit Zwergenkraft in den Tag tanzen

Am Wegesrand entdecke ich einen Zwergenthron. Stabil und luftig unter Buchenzweigen steht er da. Die Schatten der noch frühlingsgrünen Blätter huschen über das von Wind und Regen polierte Holz. Im Weitergehen breite ich die Arme aus, strecke sie zum Himmel und singe ein altes Frauenkraftlied. Ich lache zur Morgensonne hinauf, klatsche in die Hände, ploppe mit den Lippen Trommellaute und tanze mit den sich sanft wiegenden Wildblumen. Die strahlende Wärme bewegt meinen Körper und meine Seele.

Tanzen ist ein schöner Morgenbeginn. Das kannst du zu deinem eigenen inneren Lied oder zu einem deiner Lieblingssongs machen. Fange mit behutsamen Bewegungen an und lass dich von den Impulsen deines Körpers führen.

Apfel, Fünfstern und Beltane

Es gibt Menschen, die einen Apfel quer aufschneiden, um vor dem Verzehr ein besonderes Zeichen der Gesundheit und der Erkenntnis zu Gesicht zu bekommen. Im Kerngehäuse der hoch geschätzten Frucht ist das Pentagramm zu erkennen. Der fünfzackige Stern zeigt sich auch in den Blüten. Diese öffnen sich gerade, kurz vor dem Jahreskreisfest der Sinnlichkeit, in ihrem reinen Weiß durchmischt mit karminrotem Rosenrot.

Himmel und Erde kommen sich nahe, alles fließt ineinander, alles ist miteinander verbunden: der Apfel mit dem Pentagramm, das Pentagramm mit dem Fest Beltane, Beltane mit der Venus, die Venus mit dem Fünfstern, der Fünfstern mit dem Apfel… und alles mit dem Erkennen der Lebensenergien.

An Beltane, in der Nacht zum ersten Mai feiern wir die unbändige Feuerkraft, auch die eigene. Der Winter mit Frost und Schnee ist endgültig vorbei, die Sonne lockt die Früchte der Erde und die Menschen nach draußen. Die Natur versorgt uns wieder üppig, die Tage sind lang und hell.

Hell leuchtet auch die Venus. Ihr Strahlen ist selten zu übersehen, sie ist der Morgen- und der Abendstern. Der Apfel ist die Frucht dieser berührenden, vereinigenden, liebenden, sinnlichen, lebenserhaltenden Göttin. Im kosmischen Tanz der Venus erscheint wie im Apfel der Fünfstern. Bei ihrer Bewegung um die Sonne trifft sich die Venus immer wieder an genau denselben fünf Punkten mit der Erde. Die beiden zeichnen so im Weltall ein unsichtbares Pentagramm.

Das Pentagramm bildet eine ungebrochene Linie, die ohne abzusetzen endlos überzeichnet werden kann. In der Tradition der weisen Frauen stehen seine Spitzen für die vier Elemente und die Geistin. Es schafft den (Schutz-)Raum für freie Entfaltung und Wandlungsfähigkeit. Hier schließt sich der Kreis zum Apfel: Sein Baum ist eine Quelle der Erkenntnis.

Mit dem Körper Zwiesprache halten

Auch Farben unterstützen uns. Gelb – hier das der Sumpfdotterblume – schenkt uns das Gefühl von Licht, Leichtigkeit und Zuversicht. Nähre deine Seele mit den Farben des Frühlings.

Hilflosigkeit, Angst und Verzweiflung begleiten uns in diesen Zeiten großer Verunsicherung. Sie wollen an die Hand genommen werden von Eigenmacht, Selbst-Bewusstsein und Hingabe. Wir haben zahlreiche Möglichkeiten, uns auf allen Ebenen zu stärken, den Kontakt zu halten zur Natur, zu unseren Mitmenschen, zu unserer Essenz und Lebendigkeit, zu unserem Körper. Avesta, Mitbegründerin des Frauenbildungszentrums Arkuna, schlägt zum Beispiel vor eine

Meditation für unser Immunsystem

Ausgangspunkt:
Mutter Natur hat uns vorzüglich mit allem ausgestattet, was wir für ein gesundes Leben brauchen. Auch dann, wenn wir an der einen oder anderen Stelle eine körperliche Beeinträchtigung haben oder wenn wir aktuellen Coronastress erleben, sind wir dennoch mit einem im Prinzip widerstandsfähigen Körper und mit einem innovativen Immunsystem beschenkt worden.

Unser Körper hilft uns am liebsten beim Gesundbleiben oder Gesundwerden, wenn wir Zwiesprache halten mit ihm. Es ist medizinisch nachgewiesen, wie wirksam wir uns selbst in Zeiten des Stresses unterstützen können, wenn wir mit unserem Körper kommunizieren. Es ist nachgewiesen, und sogar mit einem Medizinnobelpreis geehrt worden, dass unsere Zellen unseren Gedanken lauschen. In diesem Sinn möchte ich dich zu einem Zuwendungsakt zu deinem Körper und deinem Immunsystem einladen.

Sitzen (oder liegen), bewusst spüren, atmen …

Wende dich deinem Knochengerüst zu, deinen Knochen und Knochenmark, das wunderbare Bestandteile vom Immunsystem erschafft, die weißen Blutkörperchen mit ihren T-Helferzellen.

Spüre deine Knochen und stelle dir ihre Aktivität vor: wie sie dauernd neue T-Helferzellen erschaffen, die Viren und Bakterien aufspüren, aufessen und verwandeln. Deine T-Helferzellen sind andauernd damit beschäftigt, dich gesund zu halten. Spüre das und schicke ein warmes Gefühlt an deine Knochen, das Mark und die T-Helferzellen.

Dann wende dich deiner Milz zu, die inmitten des Oberbauches sitzt. Sie unterstützt fortwährend das Knochenmark im Aufspüren und verwandeln von allem, was uns schaden könnte. Sie erschafft auch wunderbare Abwehrzellen, die Dir helfen, gesund zu bleiben, egal mit was du umgeben bist. Spüre und anerkenne sie.

Nun bedenke deine Thymusdrüse mit deiner Zuwendung: sie ist genau in der Mitte hinter dem Brustbein, ein Stück unterhalb der Kehle. Die Thymusdrüse erschafft deine Lymphozyten, mit denen dein Immunsystem alle Erreger in deinem Körper aufspürt, die dir schaden. Die Lymphozyten fressen fremde Invasoren einfach auf, und helfen dir dabei, mit Infektionen fertig zu werden. Schicke diesen deinen Körper fortwährend durchstreifenden Lymphozyten wohlwollende Gedanken…

Und nun wende dich deinem Bauch zu, deinem Darm, der mit seinem reichlichen Lymphgewebe auch fortwährend damit befasst ist, dich zu unterstützen. Auch dein Lymphsystem arbeitet Tag und Nacht daran, dass du gesund bist oder wieder gesund wirst. Spüre dein Lymphsystem im Bauch, stelle es dir vor in deinen Gelenken, wie es dich fortwährend durchströmt und alles mit nimmt, was nicht zu dir gehört. Schicke liebevolle Gefühle zu deinem Lymphsystem.

Und nun wende dich nochmals deinem Körper als ganzem zu, und vergegenwärtige dir, mit welcher Treue und mit welcher Kraft er dir täglich dient, dich schützt, dich gesund erhält. Oder dir verlässlich auch kranke Phasen durchzustehen hilft.

Spüre Dankbarkeit für diese Basis deines Lebens, die dich trägt.

Lass deinen Dank durch dein Knochenmark strömen und durch dein Lymphsystem, in deinem Bauch und durch deine Milz, durch deinen ganzen Körper.

Spüre dankbar deine Widerstandsfähigkeit. Spüre die wunderbare Kraft deines Körpers. Er tut alles dafür, dass du weiterhin gesund bist oder wieder gesundest, wenn dir Krankheitserreger zusetzen. Danke ihm dafür.

Denke daran: Alle deine Zellen lauschen auf deine Gedanken. Sie reagieren auf Zuwendung.

Komme zurück …

Vielen Dank fürs Teilen, Avesta.

Was heißt eigentlich gesund?

Zaubert Sonne ins Herz: die Schlüsselblume

Lady Corona, die alte Hexe, die große Kali, fegt atemberaubend durch die Wohneinheiten, die Bürokomplexe, die Lehranstalten, die Fabrikhallen, die Alten- und Kinderaufbewahrungsstätten, die Konsumtempel, die Amtsstuben, die Krankenhäuser und lässt kaum einen kalten Stein auf dem anderen. Die Gedankenkarusselle geraten in Unwucht, die Kontrollmaschinen schwächeln. Die Herzen darunter liegen plötzlich offen mit all ihren Verletzungen – und Sehnsüchten. Bitte, wieder zurück in die Sicherheitszone! In welche? Die der Technik ohne Grenzen? Oder die der Erde mit der Bereitschaft zu sterben?

Jetzt, wo immer klarer wird, dass wir Viren nicht ausrotten können, könnten wir unseren Blick endlich wieder freigeben vom Starren auf richtige, falsche, manipulierte, dramatische, gefakte, frisierte…Zahlen. Da könnte sich der Horizont öffnen für eine wirklich spannende Frage: Was genau heißt es eigentlich, gesund zu sein?

Kleine Übung für die Balance

Stell dich, am besten barfuß (wenn’s dir nicht zu kalt ist) auf den Boden, dort, wo du dich ungestört fühlst, die Füße nicht zu eng beieinander, damit du einen guten Halt hast. Wenn du in einem geschlossenen Zimmer bist, öffne vorher das Fenster. Schließe die Augen und geh mit deiner Aufmerksamkeit in deinen Herzraum. Wenn es dir hilft, lege die Hände auf die Brust. Atme ein paar Mal bewusst ein und aus. Jetzt nimm die Geräusche um dich herum wahr, jedes ganz kurz, ohne es zu bewerten. Schau, wie es dich berührt, lass es sein und bleibe in deinen Herzraum. Stell dir vor, wie du dich dort immer wieder auf dich einbalancierst. Beende die Übung in deinem Tempo und zu deiner Zeit, indem du die Augen wieder öffnest und dich bei der Größeren Kraft – Mutter Erde, dem Universum, der Göttin… – bedankst.

Verstummen

Manchmal möchte ich verstummen angesichts der Wortkriege, die sich in die Welt verbreiten. Manchmal könnte ich heulen, wenn ich sehe, mit welcher Freude ein paar Idioten in den sozialen Medien zündeln und Flächenbrände auslösen. Manchmal bin ich fassungslos wütend, wie wir uns mitragen lassen von den shitstorms, die sich vollkommen destruktiv in unsere Gehirne ergießen.

Ja, manchmal möchte ich verstummen, mal nichts sagen, keine Worte finden. Der Frühling beginnt, und die Natur – auch unsere – spricht ihre eigene Sprache. Sie ist gerade jetzt voller Zuversicht, Aufbruch, Wohlwollen, Erblühen, Leichtigkeit, beschwingter Töne, Miteinander wachsen und sich am Wiedererwachen freuen. So viele Bilder, die aufsteigen und geteilt werden wollen. Soviele Worte, die die Kraft haben, Brücken zu bauen.

Frei-Raum

Die jungen Musiker, die im Grüngürtel locker leichten Jazz spielten, der Obdachlose, der von einem Straßenjongleur so begeistert war, dass er ihm ein paar Cent gab, die Baumfreundin, die die alte Esche besuchte, berührten gestern an einem Tag strahlenden Sonnenscheins mein Herz. Heute sind die Wiesen menschenleer, der Himmel ist grau, es regnet in Strömen. Ich gehe mit dem Sein in seinem stetigen Wandel. Das kommunikative Rotkehlchen vor meinem Fenster singt unverdrossen weiter und doch immer wieder anders seine Frühlingslieder und unterhält sich auch mit den Krähen aus der Nachbarschaft. Die kleinen Momente zu ehren und dafür zu danken, ist ein gutes Mittel, dem Leben und mir Frei-Raum zu geben.

Die US-amerikanische Psychotherapeutin Virginia Satir hat einmal „Fünf Freiheiten“ formuliert, die wir auch in diesen Zeiten der Beschränkungen leben und ausprobieren können:

Die Freiheit zu sehen und zu hören, was im Moment wirklich ist – anstatt das, was sein sollte, gewesen ist oder erst sein wird.

Die Freiheit, das auszusprechen, was ich wirklich fühle und denke – und nicht das, was von mit erwartet wird.

Die Freiheit, zu meinen Gefühlen zu stehen – und nicht etwas anderes vorzutäuschen.

Die Freiheit, um das zu bitten, was ich brauche – anstatt immer erst auf Erlaubnis zu warten.

Die Freiheit, in eigener Verantwortung Risiken einzugehen – anstatt immer nur auf Nummer sicher zu gehen und nichts Neues zu wagen.

Traum und Wirklichkeit

Traumwandlerisch den eigenen Weg finden … Naiver Tropf stürzt gleich übel ab … Sich vertrauensvoll führen lassen … Die Augen verschließen vor dem, was ist … Der Aufstieg steht kurz bevor … Blind ins Unglück laufen … Eine witzige Installation auf einem Hausdach … Ein und dasselbe reale Bild kann für viele Wirklichkeiten stehen. Welche ist deine?

Fühlen

In die Ruhe und Geborgenheit der Höhle scheint Licht.

Verheddert im wirren Zahlen-Netz,

versinkend im unverdaulichen Fakten-Salat,

verliere ich meine Kraft,

fällt es mir schwer zu atmen,

lähmt mich meine Wut.

Ich verstehe nichts.

Ich kann nichts erklären,

obwohl ich es doch können müsste

in dieser Welt des Beherrschens.

Verwoben im Netz der abenteuerlichen Vielfalt,

getragen vom Meer der reinen Empfindungen,

finde ich meine Macht,

kann ich frei atmen,

bewegt mich meine Freude.

Ich verstehe alles.

Ich kann fühlen,

weil ich nichts erklären können muss

in dieser Welt des Seins.

Die Erde ist freundlich

Das Leben ist Beziehung: die des Ahorns zu den Schneeflocken, die sich in den Zweigen sammeln, die des Gimpels zu der Brennnessel, von der er die Samen pickt, die von mir zu dem Winterwind, der sanft auf meine Wangen sticht. Das Leben ist Austausch: zwischen Mensch und Mensch, Tieren und Pflanzen, Sternen und Steinen, Viren und Bakterien und aller untereinander. Das Leben ist Schenken und Beschenkt werden: aller für alle, jede für jeden. Erde und Universum sind freundlich und freigiebig. Wir als Teil davon eigentlich auch.