Macht und Weiblichkeit

Frauenplatz

Es ist Weltfrauentag. Für Gleichberechtigung, gegen sexuelle Gewalt. Ich setze mich aufs Sofa und erinnere mich an einen alten Platz der Frauenmacht. Meinen Freundinnen fiel ein von Jägern erschossener Singvogel auf den Frühstückstisch, während mein Körper dort mit dem Körper der Erde verschmolz. Erfüllt kehrte ich zurück, sah die Blutspritzer auf den Kleidern der anderen und wähnte mich in einer fremden Welt. Trotz gleicher Rechte und der Aussicht auf gleiche Bezahlung.

Wahrhaftige Veränderungen verweisen wir gerne ins Reich der Fantasie. Doch Träume und Visionen bekommen mitunter eine überraschende Lebendigkeit. Also träume ich einfach von Gleichberechtigung jenseits des Patriarchats und ergründe, wie damals auf der Insel der Priesterinnen und der Vogeljäger, meine Weiblichkeit.

Was bedeutet Frau sein, wenn ich einmal über meine angenommenen Glaubensmuster hinausblicke? Was heißt weiblich, wenn ich den geschichtlichen und gesellschaftlichen Missbrauch dieses Wortes und seiner Inhalte beiseite schiebe? Ich ertaste meinen Körper, denn der ist unmissverständlich weiblich. Was sind ur-weibliche Eigenschaften, Kompetenzen, Gestaltungsmöglichkeiten – auch für und bei Männern? Ich tauche nach meinen tiefsten Sehnsüchten und komme so der Antwort auf den Grund.

Verborgen in Veränderung

Wirklich unwirklich

Der Nebel glättet die Kanten und verwischt die Konturen, im Regen zerfließen die Strukturen und verschwimmen die Schärfen. Das Außen erscheint irreal, verborgen in Veränderung begriffen und kaum zu er-fassen. Worüber streiten wir uns? Was gibt es zu tun? Fragen bleiben unbeantwortet, Entscheidungen ungetroffen. Die Erde ruft nach Beachtung, nach Verwurzelung, nach sinnlichem Wahr-nehmen. Im Vagen bereitet sie den Weg zu innerer Klarheit. Mit ihrer Unterstützung unter den Füßen, im Bauch und im Herzen übe ich mich im Wünschen. Nicht den Porsche, den nächsten Urlaub oder den besseren Job. Ich suche zu ergründen, wofür mein Licht wirklich und wahrhaftig brennen will.

Die Kelten feierten in dieser Zeit Imbolc, das Fest der Brigid, Göttin der Inspiration und des ersten Lichtfunkens, der die Vision für das Wiedererwachen nach der Dunkelheit nährt. Die Christen segnen Kerzen, und auch sie ehren die alte Göttin des Lebens, in Gestalt von Maria. Alles ruht noch im Schoß von Mutter Erde, auch die Träume, Wünsche und Visionen. Bis sie als kleines Lichtlein aufsteigen und in die Welt gebracht werden wollen. Ganz behutsam und geschützt, denn noch pfeifen die eisigen Winde über sie, und der kalte Frost prüft ihre Beständigkeit.

Frei für die Vision

Wasser reinigt und bringt ins Fließen, nicht immer auf die sanfte Art.

Der prasselnde Strahl aus dem Duschkopf, das umhüllende Wasser in der Badewanne, das Eintauchen in einen kalten Wintersee, ein vom Wind begleiteter Spaziergang, fließend tanzen, sich fallenlassen in die Leere: Es tut gut, sich von blockierenden Gedanken und Handlungen zu reinigen, bevor die Vision aufleuchten kann – an Lichtmess, Imbolc, wie immer du das Jahreskreisfest Anfang Februar nennen willst. Doch hilft es nicht, dabei in dualen Mustern hängenzubleiben und sich alles Negatives fort zu wünschen. Reinigen heißt für mich, den Blick freizumachen auf die Vision, die gesehen werden will, und das, was dabei hinderlich sein könnte, nicht einfach nur beiseitezuschieben, sondern ihm einen angemessenen Platz im eigenen Leben einzuräumen.

Damit das Neue eine Chance hat, will es vielleicht einmal mit anderen Gedanken und Handlungen erschaffen werden. Eine Vision kommt da schon auf bei mir: ungewöhnliche Wege zu finden und zu gehen.

Dem Machen die Macht nehmen

Mal einfach nur wahr-nehmen

„Ja, haltet mal still, hört mal erst euer Herz schlagen und wie viel Angst drin ist. Ja, haltet mal still und legt die Hände auf euren Nabel und spürt die wilden Rhythmen, die da gegeneinander branden, das Durcheinander, die Verwirrung. Ja haltet mal still und werdet bescheiden und klar: Wir wissen nichts, aber wir tun ständig etwas…“ Die Worte der weisen Ute Schiran klopfen an und setzen sich in meinem Kopf und Körper fest.

Ja, dem Machen die Macht nehmen.

sich nicht so verdammt wichtig nehmen.

mit allen Sinnen wahrnehmen.

die Sprache der Erde aufnehmen.

sich und die anderen ernstnehmen.

das Leben annehmen.

nichts hinnehmen.

Uralte Visionen

Schnee-Gestalten

Der Schnee knarzt unter meinen Füßen wie der Boden einer abgelaufenen Holztreppe. Gerade frisch gefallen, erinnert er mich an etwas Uraltes. Schnee ist immer anders und immer Schnee. Nicht derselbe, doch sehr ähnlich dem vor einer Woche, im letzten Winter. Das vermeintlich Neue enthält das Vergangene, wie das Junge im Alten präsent ist. So werden auch unsere Visionen von dem geprägt, was war wie von dem, was wir uns wünschen – und auch das ist schon irgendwann einmal gewesen. Vielleicht sind Visionen ja Erinnerungen an etwas, was wieder ins Leben geholt werden will.

Halt, um den Nebel auszuhalten

Oft kommen die Visionen im Schlaf – wie bei der Priesterin im Tempelschlaf aus dem Hypogäum von Malta

Die Visionen tun sich manchmal schwer, aus dem Nebel ins Mondsichel-Licht zu treten. Bevor sie selbst klar werden, wollen sie noch ein paar Fragen geklärt wissen: Wer bist du zurzeit? Wozu bist du bereit? Welches sind deine Ängste? Um mich bei den Antworten nicht im Nebel zu verlieren, suche ich nach festen Wurzeln. Die sind dort, wo ich mich zuhause fühle – in diesem Fall sehr weit unten oder ganz weit oben. Ich verbinde mich mit der Feuer-Energie der Erde und mit dem Licht meiner Sternenfamilie. Die beiden Kräfte geben mir Selbst-Vertrauen, sie helfen mir, meine Möglichkeiten und meine Grenzen zu sehen. Wenn ich Halt habe, lässt sich der Nebel aushalten. Und irgendwann löst er sich auf.

Bilder für den Raum des Lebens

Eine Vision ist ein Bild, dass wir uns machen – im Kopf, im Herzen, besonders im Bauch. Skizzenhaft, zart angedeutet, sehr schutzbedürftig. Das Visionen-Finden kann ganz wunderbar den Winterblues besänftigen. Mal dir nicht gleich aus, die Welt zu retten. Für die kleinen Bilder findet sich eher ein Platz im Raum des eigenen Lebens.

Imbolc, Lichtmess wird Anfang Februar gefeiert, zu einer Zeit, in der die Kräfte des Eises das Land erstarren lassen. Doch im Inneren, im Bauch – genau das heißt Imbolc – sicher geborgen regt sich schon ein Feuerfunke der Vision und Inspiration. Und den größten Pessimisten mögen die vorwitzigen Haselkätzchen ins Auge fallen. Bereits im vergangenen Spätsommer sind sie erschienen, um ein Versprechen zu machen: Das neue Leben ist nicht aufzuhalten. Im winterlichen Februar werden sie zu blühen beginnen.

Lass deine Visionen für die helle Zeit aufsteigen – für dich, für deine Familie und Freunde, für die Welt. Sie haben nichts zu tun mit selbstkasteienden Vorsätzen fürs neue Jahr, sie sind schöne Träume, die mit Unterstützung von Helferinnen und Helfern auf vielen Ebenen Wirklichkeit werden können. Mit Leichtigkeit und Freude, aber auch mit Entschiedenheit und Respekt wollen sie genährt und auf die Erde gebracht werden.

Farbtupfer im Wintergrau

Mit Krähen-Kraft ins neue Jahr

Mit gezücktem Schwert rennt ein Mensch wütend gegen eine Steinmauer. Zwei Krähen, auf einem Baumstamm oben auf der Mauer balancierend, schauen ihm amüsiert zu. Im neuen Jahr möchte ich immer öfter wie eine dieser Krähen die Welt betrachten.

Das Bild gehört zu einem Tarotset. Die Mauer hat sich der Mensch selbst geschaffen und fühlt sich nun gefangen. Er versucht, zu entkommen – mit Mitteln, die ihn vermutlich eher zerstören als dass er die Mauer einschlagen könnte. Ein Teil der Schwerter liegt schon zerbrochen am Boden. Der Mensch verliert im Kampf seine Kraft und erreicht nichts. Würde er einmal von seinem Anrennen ablassen, könnte sich ein Fenster auftun. Oder die Krähen ließen den Baumstamm hinuntergleiten, sodass der Mensch auf ihm nach oben und hinaus klettern könnte.

Die Krähen kennen die Verhältnisse in der Gefangenschaft, und sie sehen die Möglichkeiten außerhalb. Sie hüten als mächtige Krafttiere die Gesetze des Universums und sie wissen, wenn unser Handeln nicht mehr im Gleichgewicht ist mit diesen Gesetzen. Die Krähen-Kraft hilft uns dabei zu erkennen, wo wir nicht mehr so weitermachen können wie bisher, wo etwas im Argen liegt. Die Vögel verschaffen sich einfach einen Überblick und schauen, welche neuen Wege jenseits der Mauern gegangen werden können. Sie sind wach, kreativ und sehr humorvoll.