Hinabtauchen und aufstehen

Göttinnen-Graffiti

Die schwarze Göttin, gekrönt mit dem silbern-funkelnden Mondinnen-Zauberhut, lädt mich freundlich-bestimmt ein, hinabzutauchen in den Brunnen meiner Kraftquellen. Sie ruft mir hinterher, meine in sich öffnenden Muscheln ruhende Perlen zu finden und sie aufzufädeln auf eine goldene Schnur. Sie hilft mir, aufzutauchen, mich vorsichtig aufzurichten, die bunte Kette anzulegen und in meiner Schönheit für die Erde zu stehen.

Entschieden ohnmächtig

Das Sein ist Bewegung

Ohnmächtig, also ohne Macht zu sein, kann durchaus eine ent-lähmende Wirkung haben. Die Mächtigen brauchen ein ebenfalls Macht-wollendes Gegenüber, um bestehen zu können. Die Andersdenkerin Marianne Gronemeyer hat das sehr treffend formuliert: „Macht kann sich nur verteidigen gegen Machtkonkurrenten.“ Das endet allerdings oft in einem Gemetzel, und sei es nur ein verbales.

Die entschiedene Ohn-Mächtige kann sich weit öffnen und aus ihrem tiefen Inneren hören, sie kann neue Spielfelder finden und sich mit allem, was lebendig ist, verbünden. Sie geht den Weg jenseits des (Be-)Herrschens. So kann sie fließen mit der Veränderung.

*Das Zitat von Marianne Gronemeyer stammt aus ihrem Buch „Simple Wahrheiten – und warum ihnen nicht zu trauen ist“.

Geh den Weg in Schönheit

Es gibt eine Legende über einen kleinen grauen Schwan, der sich dem spiraligen Strudel des Schwarzen Lochs hingibt, jenseits der Sinnestäuschungen die Wunder des Universums erkennt und als stolzer weißer Schwan voller Grazie und Anmut wiederkehrt. Weil er sich vertrauensvoll hat fallen lassen, bekam er Zugang zu allen Ebenen des (Bewusst-)Seins. Weil er seinem Impuls gefolgt ist, erlangte er innere Schönheit. Strahlend und in Selbstgewissheit gleitete er fortan über das Wasser des Lebens.

Frei für die Vision

Wasser reinigt und bringt ins Fließen, nicht immer auf die sanfte Art.

Der prasselnde Strahl aus dem Duschkopf, das umhüllende Wasser in der Badewanne, das Eintauchen in einen kalten Wintersee, ein vom Wind begleiteter Spaziergang, fließend tanzen, sich fallenlassen in die Leere: Es tut gut, sich von blockierenden Gedanken und Handlungen zu reinigen, bevor die Vision aufleuchten kann – an Lichtmess, Imbolc, wie immer du das Jahreskreisfest Anfang Februar nennen willst. Doch hilft es nicht, dabei in dualen Mustern hängenzubleiben und sich alles Negatives fort zu wünschen. Reinigen heißt für mich, den Blick freizumachen auf die Vision, die gesehen werden will, und das, was dabei hinderlich sein könnte, nicht einfach nur beiseitezuschieben, sondern ihm einen angemessenen Platz im eigenen Leben einzuräumen.

Damit das Neue eine Chance hat, will es vielleicht einmal mit anderen Gedanken und Handlungen erschaffen werden. Eine Vision kommt da schon auf bei mir: ungewöhnliche Wege zu finden und zu gehen.

Zeit des Unsichtbaren

Ahnenbäume

Schwarzmondin, Fest der Dunkelheit. Loslassen, ins Unsichtbare fallen. Die weise Alte wartet auf Zutaten für den magischen Trank, den sie im Kessel der Transformation braut. Es gibt nichts zu tun, außer das Gefäß zu füllen. Mit unseren Mustern und unseren Träumen, mit unseren Wünschen und unserem Schmerz, mit unserer Todesangst und unserer Lebensfreude. Alles versinkt im Verborgenen, im Nicht-Wissen, im Geborgenen, im Meer der Erinnerung. Die Erde gibt ihr Salz dazu, das Feuer einen tiefroten Wein, das Wasser die Tränen der Kinder und die Luft den Atem der Ahnen. „Vertraue“, flüstert die Alte. Was kommen mag, köchelt leise dort, wo das Neue entsteht: in der Leere des kreativen Chaos. Unsichtbar. Für eine Weile.

Ein Lichtlein brennt

Advent, dunkle Zeit, ein Lichtlein brennt.
Es ist für die Erde, tief flüsternd,
Lass dich fallen
in den Schoß des Vertrauens.

Advent, dunkle Zeit, ein Lichtlein brennt.
Es ist für das Feuer, zärtlich knisternd,
Lass dich berühren
vom Herzen der Welt.

Advent, dunkle Zeit, ein Lichtlein brennt.
Es ist für das Wasser, sanft plätschernd,
Lass dich tragen
vom Fluss des Lebens.

Advent, dunkle Zeit, ein Lichtlein brennt.
Es ist für die Windin, leise pfeifend,
Lass dich erinnern
an den Zauber des Werdens…

…aus der Dunkelheit

Endlich Regen

Es regnet – sanft, leise, so als ob der Regen sich nach langer Abwesenheit wieder vorsichtig auf dieses Stückchen Erde heruntertasten wolle. Ich lächelte, als ich mir heute morgen beim Radfahren die Kapuze über den Kopf zog. Oft erst, wenn etwas fehlt oder umgekehrt im Übermaß vorhanden ist, wird uns die Bedeutung dieses Etwas bewusst. Bei sich leerenden Flüssen und Seen sehnen wir das Wasser von oben herbei, das uns bei Fluten und Gewitterstürmen lebensbedrohlich werden kann und das wir bei regelmäßigem Dasein als eher lästig empfinden, wenn wir keinen eigenen Garten oder Acker zu bestellen haben.

Zurzeit werden auch wir Stadtkinder an die Kraft des Regens erinnert. Ich suche in meinem Motherpeace-Tarot nach der Karte der Zehn Kelche. Darauf freut sich eine Gemeinschaft über den Regen, der die Samen auf ihren Feldern aufgehen und die Früchte wachsen lassen wird. In der Verbundenheit mit den kosmischen Gesetzen ist es den Menschen gelungen, den Regen herbeizurufen. Dafür danken sie. Nichts ist selbstverständlich und alles ist möglich.

Ich rausche mit meinem Rad durch eine Pfütze. Freue mich und sage danke.