Europa geht an den Strand

Kanadierinnen, Europäerinnen? Auf jeden Fall in Köln heimisch geworden.

Der feine Business-Pinkel Zeus rast mit seinem E-Roller über den Gehweg

und fährt Europa um, die vom Kirchenstreik Maria 2.0 kommt.

Die junge Frau stürzt auf einen hechelnden Mops, dessen Herrchen sie eine Tierquälerin schimpft.

Goldmünzen rollen aus Europas Taschen, nach denen die Umstehenden gierig greifen.

„Was liegst du hier auf der Straße, du Pennerin?“, schreit eine Radfahrerin. „Hast du nichts Besseres zu tun?“

Doch, denkt Europa, steht auf, schüttelt ihren Rock und macht sich auf den Weg zurück zu den blumenreichen Wiesen und dem Meeresrauschen am Strand von Sidon.

Ich weiß

Glauben? Hm, Spiritualität gefällt mir besser, sage ich, als ich mich mit einer Freundin über das Göttliche unterhalte. Aber du glaubst doch auch, sagt sie. Du glaubst doch zum Beispiel, dass du mit dem großen Ganzen verbunden bist. Nein, erwidere ich. Das glaube ich nicht. Das weiß ich. Was sie überheblich findet – und ich völlig normal.

Ich weiß, dass es eine Leben spendende Schöpferinnen-Kraft gibt.

Ich weiß, dass sie allem innewohnt – den Menschen, Tieren, Pflanzen, Steinen, der Erde, dem Universum.

Ich weiß, dass der Körper göttlich ist wie der Geist und eine Ratte genauso wie ein Schwan.

Ich weiß, dass nichts und niemand mehr oder weniger wert ist.

Ich weiß, dass alles miteinander verbunden ist.

Ich weiß, dass Liebe alles zusammenhalten kann.

Ich weiß, dass wir Natur sind und ohne Natur nicht (über-)leben können.

Ich weiß, dass die Lebensenergie nicht zu zerstören ist.
Der Mensch schon.

Tanz mit dem Feuer

Die Nacht zum ersten Mai, das ist Beltane, das Fest des leuchtenden Feuers. Des eigenen leuchtenden Feuers, des Feuers der Sonne, des Feuers der Erde und des Feuers der Liebe, die alles und alle verbindet. Was die Kirche zum Hexentreiben mit dem Teufel gemacht hat, ist der leidenschaftliche Tanz der schöpferischen wilden Frauen mit den Kräften der Erde.

Dieser Tanz kann auf vielerlei Arten getanzt werden: wild oder langsam, stürmisch oder vorsichtig, nach innen gewandt oder nach außen explodierend, allein oder in der Gemeinschaft. Immer ist es ein Tanz des Körpers. Er steht im Mittelpunkt, wird genährt, verwöhnt, geweckt, gestreichelt, gespürt, geliebt. Und immer ist es ein Tanz, der die eigenen Grenzen und Möglichkeiten beachtet. Liebe beginnt mit der Liebe zu sich selbst, hört damit nicht auf und führt zu einem Tanz mit dem Feuer der Veränderung.


Leg dich in die Wiese und stell dir vor, das Feuer der Erde weckt jede deiner Zellen.

Spring mit vertrauten Menschen übers Feuer und wünsche dir für dich, deine Liebsten, die Welt ein paar Sterne vom Himmel.

Tanze, trommele, singe aus vollem Herzen.

Lass dich massieren und schenke den Zauber der liebevollen Berührung anderen.

Koche dir und/oder Freundinnen etwas Leckeres und danke dem Universum für all die Zutaten.

Gehe zu einem Platz in der Natur und schreie deine Wut hinaus.

Gehe zu einem Platz in der Natur und verbinde deinen Körper mit dem Körper der Erde.

All das kannst du ausprobieren im Laufe des Monats Mai – auch, wenn du ein Mann bist. Schau, wie du dich selbst immer mehr spürst und mit deiner Feuerenergie in Schönheit in die Welt gehen kannst.

Das Löwenmäulchen entfaltet seine Blüte in ihrer vollen Pracht.

Coyote in einer ver-rückten Welt, Teil 2

Coyote war ausnahmsweise sehr zufrieden mit der Welt. Die Sonne schien seit Tagen warm vom Himmel. Er hatte die drei Eicheln, die drei Mal drei Mondinnen kein Licht gesehen hatten mit Hilfe eines Eichhörnchens gefunden. Und an seiner Seite ging eine ganz brauchbare Helferin – dieses seltsame Wesen, weder Kind noch Frau noch Mann und doch alles zusammen, das ihm irgendwie zugelaufen war. Er kannte mittlerweile seinen Namen: Caote – „mit C“, wie es, er, sie augenzwinkernd ergänzte. Coyote hatte die Stirn gerunzelt. Coyote, Caote. Er knurrte leicht, sagte aber nichts. Immerhin konnte er es, er, sie nun ansprechen. „Sag ,sie‘. Ist einfacher“, ergänzte Caote.

Den ersten Teil dieser Geschichte könnt ihr hier lesen.

„Pass auf, Caote!“, rief Coyote, „die Eicheln fallen dir noch aus der Tasche!“ Caote hatte wieder einmal ein Rad gedreht und war aus dem Stand über Kopf gesprungen. Sie lachte nur und rief übermütig: „Die Esche wird die Eicheln schon bekommen. Keine Angst, du wirst dein Glied behalten.“ Sie hatten an einem Abend am Feuer gesessen, und Lagerfeuer machten Coyote immer sehr sentimental und sehr gesprächig. Da hatte er Caote von dem verlorenen Glied seines Ururgroßvaters erzählt, der nicht auf einen Baum gehört hatte. Coyote hatte also in der Tat ein bisschen Angst, ohne die gewünschten drei Eicheln vor der Esche aufzutauchen. Caote wusste jetzt auch, was es mit den Eicheln auf sich hatte. Sie wusste, dass Coyote aus seiner Heimat in dieses Land gekommen war, weil die Menschen ihn, den größten Überlebenskünstler aller Zeiten, nicht mehr beachteten. Darauf hatte eine Esche ihm angeboten, drei Aufgaben zu lösen, wollte er wieder wertgeschätzt werden.

Coyote und Caote erreichten den Wald und kamen zu besagter Esche. „Whow“, rief Caote, „das ist eine mächtige alte Dame!“ Coyote zerrte an ihrem Arm. „Beleidige sie bloß nicht“, rief er. „Danke für das Kompliment“, sagte die Esche. Coyote sah verwundert von der Esche zu dem seltsamen Wesen und wieder zurück und beschloss, nicht verstehen zu müssen, warum jemand gerne alt genannt werden wollte. „Ich habe die Eicheln“, sagte er stattdessen stolz. „Sehr gut“, sagte die Esche. „Und du hast eine Begleiterin gefunden.“ Coyote flüsterte: „Ich bin mir nicht sicher, ob sie eine Frau ist.“ Die Esche lachte herzlich.

„Nun, mein Lieber“, sagte die Esche, „die erste Aufgabe hast du gelöst. Bist du bereit für die zweite?“ Coyote zuckte lässig mit den Schultern. „Warum nicht?“ Er musste sich eingestehen, dass der Deal mit dem Baum eine sehr verrückte Aktion ganz nach seinem Geschmack war. „Also, hör gut zu“, sagte die Esche. Coyote spitzte die Ohren. „Die zweite Aufgabe lautet: Lass mich den Duft von mindestens 375 Erdenwesen riechen, die niemals den Weg zu mir in den Wald finden werden.“

Coyote sagte lange, lange nichts, was sehr ungewöhnlich war. Schließlich jaulte er auf. „Wie soll das denn gehen? Das funktioniert nie!“ „Lass es uns ausprobieren.“ Caote sprang auf. Frauen! Ja, das war der Beweis! Caote musste eine Frau sein. Nur sie konnten so irrational, so begeisterungsfähig für eine absolut aussichtslose Sache sein. „Du bist auch nicht gerade als Meister vernünftigen Handelns bekannt“, raunte die Esche. Coyote wollte protestieren. Er zweifelte gerne an vielem, aber selten an sich. „Danke für das Kompliment!“, rief Caote. „Die Esche glaubt, dass wir es schaffen!“ In Coyotes Kopf drehte es sich. Bevor ihm etwas zu sagen einfiel, hieß ihn der Baum streng, nun zu gehen.

Coyote trottete davon, Caote hüpfte hinter ihm her. Ihre gute Laune ging ihm manchmal mächtig auf die Nerven. Er schlich dahin, Stunden über Stunden, und dachte über die verflixte zweite Aufgabe nach. Plötzlich hielt er inne. „Ich hab’s! Wir gehen in die große Stadt“, sagte er bestimmt. „Wir suchen bei den Menschen.“

Am nächsten Tag erreichten sie das Zentrum einer riesigen Stadt. Coyote blieb vor einem Gebäude stehen, das mindestens fünfmal so hoch war wie die Esche. Darin, so wusste er, hielten sich die Menschen acht Stunden oder länger auf, bevor sie in ein Auto stiegen, zu einem Haus fuhren, dort übernachteten und am nächsten Morgen wieder mit dem Auto zu diesem Gebäude gelangten. Wenn sie das einmal nicht taten, nannten sie das Wochenende oder Urlaub. Es konnte schon mal vorkommen, dass die Menschen dann zu einem Wald kamen. Aber nicht zu dem der Esche. Denn durch diesen Wald führte kein Premium-Wanderweg und keine E-Bike-Route, es gab dort keinen Klettergarten und kein Waldbaden. In diesem Gebäude würde er die 375 besagten Erdwesen finden. Caote folgte ihm, ohne Fragen zu stellen.

Coyote verwandelte sich schnell in einen Menschen, einen sehr attraktiven jungen Mann in piekfeinem Anzug. Er blickte auf Caote. „Ich komme so mit“, sagte diese fröhlich. In ihrer großen Tasche klirrte es. „Gläser“, erklärte sie. „Zur Geruchsaufbewahrung.“ Die beiden gelangten dank Coyotes adrettem Äußeren ungehindert in das Bürogebäude. „Lass uns gleich hier anfangen“, sagte Coyote und steuerte auf eine Tür zu.

Caote wollte draußen warten und sah sich neugierig um. Eine Frau in einem superschicken Business-Kostüm lief an ihr vorbei. Ein Duft von Blumen wehte hinter ihr her. „Warten Sie“, rief Caote und zog ein Glas aus der Tasche. Die Frau blickte sich um. „Darf ich mir etwas von Ihrem Geruch abfüllen?“, fragte Caote mit ihrer Kopfbedeckung aus allerlei Vogelfedern, einem weiten Rock aus bunten Streifen, einer strahlend weißen Bluse unter einer speckigen Weste und ohne Schuhe an den Füßen. „Gehen Sie, oder ich rufe den Sicherheitsdienst“, sagte die Frau und klapperte auf ihren sehr hohen Schuhen davon.

Da hörte Caote ein lautes Poltern und einen Schrei. Sie riss die Tür auf, hinter der Coyote verschwunden war – und Coyote purzelte über sie. Die Gläser schlugen auf die Marmorplatten und zersplitterten in tausend Stücke. Coyotes Menschengesicht sah ganz und gar nicht mehr attraktiv aus. Der Mann, den Coyote beim Pinkeln auf der Toilette angesprochen hatte, hatte ihm statt einer Geruchsprobe seines Urins einen Schlag ins Gesicht gegeben. Die beiden verhinderten Geruchssammler sahen zwei mürrisch blickende Männer auf sich zukommen. „Wir gehen schon“, rief Caote und rannte mit Coyote aus dem Gebäude.

Die Stadt war laut, schmutzig, groß – viel zu groß für einen Coyoten und ein Wesen unbestimmter Herkunft, das aussah wie ein sehr wildes Hippiemädchen. Hungrig setzten sich die beiden auf den Bürgersteig. Ein Klimpern holte Coyote aus seinen trüben Gedanken. Jemand hatte ihnen Geld vor die Füße geworfen. Caote zwinkerte Coyote zu. Nach einer Weile hatten sie genug. Coyote kaufte sich beim Türken eine Lammkeule, „eine besonders fleischige für einen besonderen Kunden“ wie der Verkäufer bemerkte, und Caote bestellte beim Italiener eine Pizza zum Mitnehmen, „mit allem drauf, was Sie haben“. Der Pizzabäcker wünschte ihnen einen schönen Tag und nannte ihnen einen Park zum Picknicken. Etwas versöhnt mit den Menschen fanden Coyote und Caote eine Wiese und ließen es sich schmecken.

Die Lammkeule war ein Gedicht, und Coyote versuchte nicht daran zu denken, wie er den Geruch von 357 Erdwesen zur Esche bringen sollte. Caote schien sowieso sehr selten zu denken. Sie biss in ein Stück Pizza und strahlte ihn an mit den Augen eines Kindes. „Denken und Nachdenken ist zweierlei“, sagte sie mit der Stimme einer alten weisen Frau. Nicht weit weg von ihnen wälzte sich ein Hund genüsslich im Gras. Ein kleines Mädchen lief zu ihm und tat es ihm gleich. Sie gluckste und kicherte glücklich. „Steh sofort auf!“ Eine Frau war herbeigerannt und zog das Kind auf die Beine. „Du machst dich ja ganz schmutzig!“ Das Mädchen weinte und schrie. Caote beugte sich zum Gras und schnupperte. Dann schaute sie Coyote verschmitzt an. „Riech mal“, sagte sie. Coyote fuhr mit seiner Schnauze über den Boden. „Riecht nach Erde.“ „Genau!“, rief Caote. „Nach mindestens 375 Erdwesen!“ Caote – und Coyote, als er endlich verstand – ließen sich in die Wiese fallen und wälzten sich ausgelassen. Sie kugelten neben-, über- und untereinander, glucksten und kicherten, und alle unnützen Gedanken wirbelten durcheinander und lösten sich auf. Als sie schließlich aufstanden, rochen sie nach mindestens 375 Erdwesen – nach 12 Gänseblümchen, 5 Hunden, 17 Kaninchen, 56 Gundelreben, 85 Regenwürmern, 21 Äpfeln, drei Buchen, fünf Haselnussträuchern, 68 Spinnen, 25 Pilzen, 74 Käfern, 4 Menschen…

Fortsetzung folgt…

Pflanze der Kriegerin


Die zarten Blätter schmecken im Frühlings-Wildkräuter-Salat

Die Augenbraue der Venus ist eine atemberaubend vielfältige Heilpflanze. In diesen Tagen zeigt sie sich mit ihren jungen, fein gefiederten Blättchen von ihrer zartesten Seite. Die Schafgarbe, wie sie auch genannt wird, ist eine Kriegerinnen-Pflanze. Ihre Kämpfe kennen keine Feinde. In ihrer Welt gibt es kein Entweder-Oder. Sie ist standhaft und zäh genauso wie weich und liebevoll.

Pflanzen haben keine bösen oder guten Absichten, sie kommunizieren anders, sind mit den Maßstäben unseres derzeitigen Menschseins kaum zu erfassen. Deshalb ist es von Nutzen, sie genau wahrzunehmen. Denn sie können uns in ihrer (Vor-)Urteilslosigkeit, ihrem Verwurzeltsein in der Materie und ihren Verbindungen zur feinstofflichen Welt dabei helfen, uns aus dem Strudel aus Misstrauen, Getrenntsein und Gewalt herauszuziehen.

Die Schafgarbe ist für mich eine starke Helferin. Sie ist eine der ältesten Heilpflanzen der Menschen, die Wissenschaft hat mittlerweile über 100 heilwirksame Substanzen in ihr gefunden – eine beeindruckende Zahl, doch die ist lediglich dazu geeignet, unseren aufklärerischen Verstand zu beruhigen. Denn was zählt, ist die Pflanze in ihrer ausgefeilten, einmaligen Gesamtkomposition, worauf zum Beispiel die Kräuterfrauen Ursula Stumpf und Ursula Gerhold hinweisen.

Am Anfang des Kennenlernens steht die Kommunikation mit der Pflanze, bestenfalls über den Jahreszyklus hindurch. Die Schafgarbe ist immer präsent – im Frühjahr mit ihren jungen Blättern, die den Boden berühren, bis in den Winter mit ihren hochragenden trockenen Stängeln. Nehmt die Pflanze mit allen euren Sinnen wahr, streicht über die zarten jungen Blätter, der sie ihren schönsten Namen – Augenbraue der Venus – verdankt, seht sie in ihren aufrechten, kantigen, schwer zu brechenden Stängeln emporwachsen, staunt im Sommer über die Vielfalt ihrer Blütenblättchen, die sich zu einer Dolde vereinen und riecht den herb-süßen Duft. Dann wisst ihr schon jede Menge über dieses Heilkraut.

Benutzt auch den siebten Sinn, setzt euch zu der Pflanze, schließt die Augen, spürt euren Körper und die Verbindung zur Erde, dann nehmt über euer Herz Kontakt mit der Pflanze auf und bittet sie, mit euch zu reden. Dabei können Worte auftauchen, Bilder, Farben. Lasst sein, was sein will. Die Schafgarbe wurde früher in Tempeln aufbewahrt, und die Chinesen werfen das I Ging mit ihren Stängeln. Sie hilft beim Orakeln und Träumen genauso wie beim Grenzen ziehen und den eigenen Raum definieren.

Die Schafgrabe tut das, was Heilerinnen gemeinhin tun: Sie gleicht aus, bringt uns zurück in unsere Mitte und unterstützt uns, im (Lebens-)Fluss zu sein. Für mich ist sie eine Pflanze der Kriegerin und des weiblichen Kriegers, in deren Kämpfen die Regeln des Universums gelten. Sie verbindet Zähigkeit mit Zartheit, Stärke entsteht aus der Vielfalt, das Ziel ist die Wiederherstellung des Gleichgewichts. Und sie lässt kein Blut fließen, sondern stillt es selbst bei groben Verletzungen.

Es gibt viele starke Pflanzenhelferinnen und -helfer. Die Pflanze, die die eine begeistert, muss nicht die Zauberpflanze des anderen sein. Am besten ist es, die eigenen Verbündeten zu finden.

Wer mehr über die Schafgarbe und andere Pflanzen wissen will, dem empfehle ich meine Lieblingsbücher über Heil- und Wildpflanzen:

Susanne Fischer-Rizzi, Medizin der Erde
Anne McIntyre, Das große Buch der heilenden Pflanzen
Luisa Francia, Weidenfrau und Wiesenkönigin
Ursula Stumpf, Kräuter. Gefährten am Wegesrand
Wolf-Dieter Storl, Heilkräuter und Zauberpflanzen zwischen Haustür und Gartentor
Steffen Guido Fleischhauer u.a., Essbare Wildpflanzen
D. Aichele, M. Golte-Bechtle, Was blüht denn da?

Frühlingsbegegnung

Freude trifft Freude

Wenn Krokus und Hummel sich begegnen, berühren sie die Herzen und zaubern ein Lächeln ins Gesicht. Die Blumen strahlen Freude, die Hummeln summen sie – die Freude über die wiederkehrende Wärme. Sie sind beide Kinder der unbeschwerten Natur. Die Krokusse wachsen am liebsten auf ungedüngten Almwiesen, die Hummeln genießen den Nektar des Seins.

Mancher Dichter rühmte den Krokus als Lichtgeschenk des Himmels. Ein Farbengeschenk ist er zudem in seiner leuchtenden Buntheit. Mit den Farben lockt er, von seinen Blüten zu naschen. Die Hummel lässt sich gerne beschenken. Ihr Anblick weckt die Sehnsucht nach der Fülle des Sommers. Doch gerade die Hummel lehrt uns, auf das Wunder des Jetzt zu vertrauen.

Coyote in einer ver-rückten Welt

Es war einmal an einem Tag, an dem die eisigen Lüfte des Winters in ihre Heimat gen Norden zogen und die Vögel den Frühling aus dem Süden mitbrachten. Da schlich Coyote missmutig über die sanftgrünen Hügel. Je mehr die Sonne seinen Pelz wärmte, umso grimmiger knurrte er seine strahlende Umgebung an. Er war schlecht gelaunt. Sehr schlecht gelaunt. Von Natur aus gab er sich nie geschlagen. Selbst wenn jemand dabei war, ihm das Fell über die Ohren zu ziehen, fand er einen Ausweg. Doch nun hätte er nichts dagegen gehabt, in eine tiefe Schlucht zu stürzen und eben mal nicht davonzukommen. „Mein Leben hat keinen Sinn mehr!“, jaulte er selbstmitleidig.

Die Zeiten, da er den Menschen geholfen hatte, sich auf der Erde zurechtzufinden, da er ihnen den Umgang mit Messer und Gabel gelehrt und sie mit seinen Späßen zum Lachen oder zum Fluchen gebracht hatte, waren längst vorbei. Einst war er der Mächtigste, Trickreichste, Respektloseste, Listigste, Fieseste, Überlebens-künstlerischste. Doch neben den neuen Verrücktheiten der Menschen machten sich seine Späße wie alberner Kindergeburtstagsklamauk aus. In seiner Not war er mit einem großen Schiff über das große Meer gefahren, obwohl er Wasser hasste, in der Hoffnung, auf der anderen Seite des Ozeans noch einen Blumentopf gewinnen zu können. Pustekuchen! Hier war nichts besser.

Er kickte mit der rechten Vorderpfote gegen einen Baumstamm. „Autsch!“ Wütend stürzte er sich auf den Baum. „Warum lässt du die Menschen sich nicht einfach austoben?“, fragte der Baum den tobenden Coyote, „entweder kommen sie zur Vernunft oder sie verschwinden. Ganz einfach.“ „Was?“, rief Coyote. „Ich bin doch kein Baum, der reglos zuschaut. Ich habe einen Job zu erledigen!“ Er stieß wieder die Pfote gegen den Stamm. „Autsch!“ „Ist das dein Job?“, höhnte der Baum, „dir die Pfote zu zertrümmern?“ „Genau!“, schrie Coyote. Er erklärte diesem Baum der so genannten Alten Welt, dass genau dies sein Job war, um den Menschen zu zeigen, was ihnen passierte, wenn sie sich mit einem Baum anlegten. Als der Baum einwandte, er sehe keinen Menschen, der zuschaue, brüllte Coyote: „Genau! Genau das ist mein Problem. Es schaut mir kein Mensch mehr zu.“ Keiner nahm seine Lektionen mehr ernst. Der letzte, bei dem Coyote es versucht hatte, hatte einen Axt genommen und den Baum einfach umgehauen. „Mich hätte der Baum erschlagen, der Mensch spazierte wohlbehalten nach Hause“, jammerte Coyote. Er war ein nutzloser, nicht mal besonders alter Kojote, der sich völlig umsonst lächerlich machte.

Der Baum, der eine Esche war, ließ einen Sonnenstrahl durch sein lichtes Laubdach auf Coyote fallen. Der streckte sich und legte sich, müde geworden, der Länge nach auf die Erde. Die Schnauze in die Wiese gegraben, brummelte er: „Eigentlich ist es ein viel zu schöner Tag, um sich über die Menschen zu ärgern.“ Seine Unterlage war flauschig, und auf dem Ast über ihm zwitscherte eine Amsel ein federleichtes Frühlingslied. „Was soll’s?“, murmelte Coyote und schloss die Augen. Die Esche aber kitzelte ihn mit ihren vertrockneten Blättern in der Nase und sprach: „Du willst also, dass dir die Menschen wieder zuhören. Ich gebe dir drei Aufgaben.“ Coyote stöhnte. „Drei Aufgaben! Nie!“ Er wollte sich schon abwenden. „Was für ein Jammer“, sagte die Esche. „Menschen hören nicht mehr auf Kojoten, und Kojoten nicht mehr auf Bäume.“ „Seit wann hören Kojoten auf Bäume?“, schrie Coyote. „Seitdem dein Ururgroßvater sein Glied verloren hat, weil er nicht auf einen Baum hörte“, rief die Esche zurück. Coyote schluckte. Sein Glied zu verlieren, war ungefähr das Schlimmste, was einem Kojoten passieren konnte. „Okay“, sagte er ängstlich, „ich kann mir deine Aufgaben ja mal anhören.“

Die Esche schmunzelte. „Die erste Aufgabe lautet: Bringe mir drei Eicheln, die mindestens drei Mal drei Mondinnen kein Licht gesehen haben.“ Bevor Coyote etwas erwidern konnte, hieß der Baum ihn streng, nun zu gehen. Die nächste Aufgabe würde er bekommen, wenn er die erste gelöst hatte, gab die Esche ihm noch mit auf den Weg. Dann stand sie still vor ihm, als ob sie nie mit ihm gesprochen hätte.

Coyote schlich um den Baum herum. Da saß gegen den Stamm gelehnt eine… Er runzelte die Stirn. Eine junge Frau, ein Kind, eine Alte, ein junger Mann? Das Wesen hatte zwei Arme, zwei Beine, saß auf Menschenart, doch Coyote war sich keineswegs sicher, dass er einen Menschen vor sich hatte. „Hallo.“ Der Kojote sprang einen Schritt zurück. „Hallo“, antwortete er unfreiwillig krächzend. Die Frau war seltsam gekleidet. Sie trug eine Kopfbedeckung aus allerlei Vogelfedern, einen weiten Rock aus bunten Streifen, eine strahlend weiße Bluse unter einer speckigen Weste und einen zerschlissenen Lederbeutel an einem geflochtenen Gürtel. An ihren Füßen trug sie nichts. Das war ungewöhnlich für einen Menschen zu einer Zeit, da sich der Frühling noch jung und kühl zeigte. Coyote war wieder er selbst. „Okay“, sagte er lässig, „ich will dich mal eine Frau nennen, obwohl…“ Er legte eine vielsagende Pause ein. „Okay“, antwortete die Frau ebenso lässig. „Ich will dich mal einen Kojoten nennen, obwohl…“ Sie wollte ihm nicht sagen, dass er aussah wie ein räudiger Hund. „Kannst es ruhig aussprechen. Ich sehe aus wie ein räudiger Hund“, sagte Coyote missmutig.

Die Frau sah ihn fragend an, doch sie fragte nichts. „Was tust du hier?“, fragte stattdessen Coyote. „Nichts“, antwortete die Frau. Coyote sah sie mit zusammengekniffenen Augen durchdringend an. Er sah nichts, was sein Misstrauen weckte. Sie sah ihn an wie ein kleines, unschuldiges Kind. Da kam Coyote ein Gedanke. „Du hast also nichts vor im Moment?“, fragte er. „Nichts“, sagte die Frau. „Ich könnte Hilfe brauchen“, sagte Coyote, „bei einem sehr spannenden Job.“ Die Frau sprang auf. „Gut!“, rief sie strahlend. Coyote zögerte. Vielleicht würde sie doch eher eine Last sein, überlegte er. Aber so naiv wie sie schien, konnte er sie für Arbeiten gebrauchen, die er selbst nicht machen wollte. Was immer das sein mochte. „Gut“, sagt er. „Dann lass uns gehen.“ Die Frau fragte nicht, wohin.

Coyote, der sich trotz zahlloser Rückschläge etwas auf seine Schlauheit einbildete, hatte bereits einen Plan. Die Menschen, wusste er, sammelten mitunter Vorräte. Warum sollten da nicht auch irgendwo drei Eicheln lagern, die mindestens drei Mondinnen kein Licht gesehen hatten? An einem Nachmittag trabte er durch eine Wohnstraße. Seine Begleiterin hüpfte an seiner Seite, schlug ein Rad vor ihm, schnupperte an einer gerade aufgeblühten Blume und zupfte ein paar Brennnesselblätter, die sie sich in den Mund steckte. Coyote fragte sich, ob sie ganz bei Sinnen sei. Doch eins stand fest: Sie war der fröhlichste Mensch – wenn sie denn ein Mensch war – den er je gesehen hatte.

Coyote roch, wenn ein Haus menschenleer war. So wurde er schnell fündig. Er schlich auf seine ganz eigene Art hinein und wunderte sich, dass die Frau – oder was dieses Wesen auch immer sein mochte – auch ihre ganz eigene Art hatte, durch verschlossene Türen zu gelangen. Das Haus war sehr sauber und sehr aufgeräumt. Die Frau sprang durch die Räume, nahm dieses in die Hand, staunte über jenes. Coyote seufzte. Wie ein kleines Kind. Vor einer schwarzen runden Dose verweilte sie länger. Coyote kam neugierig näher. „Alexa“, las die Frau laut die Worte auf der Dose. „Guten Tag. Was kann ich für dich tun?“ Coyote blickte sich erschrocken um. Auf der Dose blinkte ein Lichtring. „Alexa. Was ist das?“ „Bitte präzisiere deine Frage.“ Die Frau lachte. „Eine sprechende Dose. Oder ein Wesen von einem anderen Stern.“ Die Dose blieb stumm. „Was bist du?“, versuchte es Coyote. Schweigen. „Antworte mir!“ Stille. „Alexa“, sagte Coyotes Begleiterin. „Guten Tag. Was kann ich für dich tun?“ „Alexa“, wiederholte die Frau. „Stelle mir bitte eine Frage.“ „Du musst sie beim Namen nennen“, sagte die Frau zu Coyote. Der murrte widerwillig.

Aber vielleicht hatte Alexa tatsächlich Antworten. „Alexa“, hob Coyote an. „Was kann ich für dich tun?“ „Alexa. Wo finde ich drei Eicheln, die mindestens drei Mal drei Mondinnen kein Licht gesehen haben.“ „Tut mir leid, das verstehe ich nicht. Präzisiere deine Frage“ „Alexa. Drei Eicheln…“, begann Coyote. „Eine Eichel“, fiel im Alexa ins Wort. „Ein männliches Säugetier hat eine Eichel. Der Baum Eiche dagegen trägt zahlreiche Eicheln. Es sind ihre Früchte, die im Herbst…“ Alexa holte weit aus und ließ sich von Coyotes Einwänden nicht beirren. Der hielt sich bald verzweifelt die Ohren zu. „Du bist eine verdammte Klugscheißerin, Alexa“, platzte es aus Coyoteheraus. „Klugscheißerin“, wiederholte Alexa, „das ist eine ambivalente Wortschöpfung…“ „Nein!“ Coyote verzog sich winselnd in eine Ecke. „Du hast jetzt genug gequatscht. Alexa, stopp!“ Alexa verstummte. Coyote blickte seine mysteriöse Begleiterin, die gesprochen hatte, verwundert an. Zu ihm gewandt, sagte diese: „Lass uns gehen. Die Dame in der Dose wird mir langweilig.“ Sie sprang aus dem Fenster. Coyote hechtete hinterher – und landete im Gartenteich. Prustend zog er sich heraus. „Ihr Frauen macht mich fertig“, stöhnte er. „Ich glaube nicht, dass Alexa wirklich eine Frau ist, und ich…“ Coyote schüttelte sich heftig. Seine Begleiterin freute sich über die Dusche.

Coyote war nicht gut drauf. Überhaupt nicht gut drauf. Er hegte den Verdacht, dass die Esche ihn zum Narren gehalten hatte. Mürrisch tigerte er einen Parkweg auf und ab. Seine Begleiterin saß im Schneidersitz auf der Wiese. Vor ihr hüpfte ein Eichhörnchen, kam vorsichtig näher und strich mit seinem Schwanz über die Füße der Frau. Die flüsterte dem Tier leise ins Ohr. Coyote verdrehte die Augen. Er kam sich vor wie ein Narr, von Narren umgeben. „Was weißt du über Narren?“, fragte ihn die Frau. Diese… Sie machte ihn verrückt. Coyote raste gefährlich knurrend in Richtung Eichhörnchen. Schnatternd flüchtete das Tier auf den nächsten Baum. Dann rannte Coyote Zähne fletschend auf die Frau, das Kind, was immer dieses Wesen auch sein mochte, zu. Sie blieb ungerührt sitzen, Coyote prallte an ihr ab und landete unsanft auf der Erde. Als er aufblickte, sah er die junge Frau wie zuvor lächelnd auf der Wiese sitzen. „Was bist du eigentlich?“, schrie er. Die Frau sah ihn freundlich an. „Ich bin alles. Und ich bin nichts“, sagte sie ruhig. Coyote schüttelte sich. Doch die rätselhaften Worte brachten ihn plötzlich auf eine Idee: „Hast du was mit dieser Esche zu tun?“

Die Frau sprang auf und ging leichten Schrittes zum nächsten Baum. Kaum hatte sie ihren Rücken daran gelehnt, hüpfte das Eichhörnchen auf ihre Schulter. „Man könnte meinen, du bist ein Eichhörnchen! Was hast du mit dieser Kreatur zu tun?“, nörgelte Coyote. Die Frau sah ihn erstaunt an. „Das gleiche, was ich mit dir zu tun habe. Wir atmen die gleiche Luft, trinken das gleiche Wasser, die gleiche Sonne wärmt uns und die gleiche Erde ernährt uns.“ Sie neigte ihren Kopf zärtlich zu dem des Eichhörnchens. „Und diese Kreatur“, sagte sie an Coyote gewandt, „könnte dir helfen“. Coyote verstand nichts mehr, er ließ sich auf die Wiese fallen und kniff die Augen zusammen. In seinem Kopf drehte sich ein Karussell, auf dem sich das Eichhörnchen und die junge Frau fröhlich wild drehten. Etwas berührte seine Schnauze. Das Eichhörnchen saß direkt vor ihm. „Ich habe gehört, du bist auf der Suche nach drei ganz bestimmten Eicheln“, fiepte es. Coyote wähnte sich in einem irren Traum. Das Eichhörnchen aber sprang zu einer Stelle in der Wiese und grub mit seinen kleinen Pfoten ein Loch in die Erde. Und nacheinander legte es drei Eicheln vor Coyotes Schnauze. Das Eichhörnchen zwinkerte dem Kojoten zu. „Drei Mal drei Mondinnen haben sie kein Licht gesehen…“

Fortsetzung folgt…

Wildkräuter verwandeln

Der Name sagt es schon: Der Bärlauch verleiht Bärenkräfte

Verzicht, Hungern, Buße: Die mit dem Fasten verbundenen Worte machen nicht gerade Lust, sich darauf einzulassen. Vielleicht ist die zeitlich begrenzte Enthaltsamkeit – abgesehen von spirituellen Zwecken – ja auch nur eine Erfindung übersättigter Gesellschaften. Wer würde dem Körper sonst freiwillig Stoffe entziehen, die er zum Überleben braucht? Was zum Fasten geworden ist, mag einst im Jahreszyklus einfach eine Zeit der Erneuerung gewesen sein. Denn jetzt beginnen die grünen Wildkräuter zu sprießen. Sie versprechen Stärkung und Reinigung und machen uns nach der Winterstarre fit.

Nicht Verzicht ist der Begriff der Wahl, sondern Genuss. Zu genießen sind die frischen Frühlingspflanzen. Der Bärlauch weckt uns aus dem Winterschlaf, die Brennnessel lässt uns gestärkt in die Welt gehen, die Gundelrebe gibt uns Licht und Wärme, das Gänseblümchen zaubert uns ein Lächeln und Leichtigkeit ins Leben. Alle Frühlingskräuter schenken uns großzügig Mineralien, Vitamine, Spurenelemente und Vitalstoffe.

Bärlauch, Brennnessel, Gundelrebe, Gänseblümchen lassen sich jetzt gerne direkt geplückt pur probieren. Wenn sie üppig wachsen, gibt es zum Beispiel Bärlauch-Risotto, Brennnessel-Suppe, Gundelreben-Schokolade und Wildkräutersalat mit Gänseblümchen, Giersch, Vogelmiere, Löwenzahnblättern, Taubnessel, Gundelrebe, Spitzwegerich… (Dressing mit Honig oder klein geschnittenem Apfel süßen).

Die Wildkräuter schenken uns viel. Dafür gebührt ihnen Dank und Wertschätzung. Sie sind Heilerinnen und wollen in Maßen verzehrt werden. Damit verwandeln sie „Verzicht“ in „das richtige Maß finden“.

Bärlauch-Risotto

30g Butter, 1 Zwiebel, 320g Risottoreis, 300ml trockener Weißwein, 600ml schwache Gemüsebrühe, 2 Handvoll Bärlauchblätter, Salz

Zwiebel fein hacken, in der Butter andünsten, den Reis hinzufügen und kurz mitdünsten, den Weißwein angießen und einkochen lassen. Nach und nach die Gemüsebrühe hinzufügen, bei schwacher Hitze einkochen lassen. Das Risotto soll von sämiger Konsistenz sein. Kurz vor dem Servieren den in feine Streifen geschnittenen Bärlauch unterrühren. Mit Salz abschmecken.

(aus: Stefanie Klein, Bärlauch frisch aus dem Frühlingsparadies)

Gundelreben-Schokolade

Wohlaromatisches aus dem Reich der Pflanzen-Zwerge: die Gundelrebe oder der Gundermann, ein weiblicher und ein männlicher Name für dasselbe Kraut

Blätter der Gundelrebe langsam trocknen. Schokoladenkuvertüre über dem Wasserbad vorsichtig schmelzen. Die trockenen Blätter hineinrebeln und unterrühren. Die Schokolade auf einem Backpapier dünn ausstreichen, abkühlen und fest werden lassen. Im Kühlschrank lagern und kühl servieren.

(aus: Steffen G. Fleischhauer u.a., Essbare Wildpflanzen einfach bestimmen)

Die meisten Wildpflanzen sind nicht giftig. Die oberste Sammelregel lautet: Nur das ernten, was du wirklich kennst und eindeutig bestimmen kannst. Vorsicht ist bei den genannten Kräutern beim Bärlauch geboten. Er kann mit den giftigen Blättern des Maiglöckchens oder der Herbstzeitlosen verwechselt werden. Lieber einmal mehr an den Blättern reiben. Der Bärlauch hat einen unverwechselbaren Knoblauchgeruch. Am besten lernst du Wildpflanzen kennen, wenn du sie dir von einer/einem Kräuterkundigen zeigen lässt.

Stürmische Zeiten

Wind-Drache

Die Winde zerren an den Gliedern, Schneegraupel stechen ins Gesicht, Regen peitscht um die Ohren, Äste fallen vor die Füße, längst vergessene Herbstblätter verfangen sich in den Haaren: Die freundliche Frühlingsgöttin schickt ihre stürmische Schwester voraus. Die kennt keinen Schlaf und keinen Spaß. Sie packt uns heftig und schüttelt uns durch. Die Kräfte der Natur wollen gehört werden. Wenn ihre leisen Mahnungen nicht wahrgenommen werden, dann erschüttern sie den Alltag eben gewaltig und zeigen so ihre Macht. Stürme fegen im Außen wie im Inneren durchs Leben. Um nicht von einem wütend fallenden Baum erschlagen zu werden, gehe ich ins Haus zurück. Halte (mich) inne(n auf).

Baum-Drache