Das Leben leben

Die Sumpdotterblume offenbart jetzt ihre Strahlkraft.

Meine Weisheit umarmt den Schatten.

Springt mit ihm hinaus ins Leben.

Das ist, was es ist.

Dem ich begegne in Liebe.

Die nichts ausschließt.

Frühlingswirklichkeit

Was ist wirklich?

Das Zwitschern der Vögel im Nebel der Morgendämmerung.

Die frühlingsgrünen Blätter der Birke, über die meine Finger streichen.

Der Duft der aufblühenden Wildrosenblüten.

Die Freude über die satten Wiesen im strahlenden Sonnenschein.

Die zunehmende Mondin am Abendhimmel, deren silbernes Licht sich in meinen Augen spiegelt.

Der unvergleichliche, unbeschreibliche Geschmack der ersten Waldmeisterbowle.

Alles, was ich nicht selbst mit meinen Sinnen wahrnehme, erscheint (hinter-)fragwürdig. Oder ohne Bedeutung.

Verkehrte Welt

Wenn du meinst, du lebt in einer verkehrten Welt und die passende allmählich zu erahnen ist,

wenn dein Verstand dein Herz verschließen will und dein Herz selbst „öffne dich“ flüstert,

wenn Enge deinen Körper bedrängt und dein weiter Schritt dich zu befreien sucht,

wenn das Außen dich aufzuzehren droht und du um deine Kraftquelle im Innern weißt,

dann kann es gut sein, dass du diesen Irrsinn einigermaßen unbeschadet durch dich hindurchfließen lassen kannst.

Ich denke an einen Aufruf der Hopi:

Da ist ein Fluss,
der fließt jetzt sehr schnell.
Er ist so mächtig und reißend,
dass einige Angst haben werden.
Sie werden versuchen sich am Ufer festzuhalten
und werden fühlen, daß sie zerrissen werden.
Und sie werden beträchtlich leiden.

Wisse, dass der Fluss seine Bestimmung hat.
Die Ältesten sagen,
wir müssen vom Ufer loslassen
und in die Mitte des Flusses stoßen,
unsere Augen offenhalten
und unsere Köpfe über dem Wasser.

Und sie sagen:

Schaue, wer da mit dir ist und feiere.
In dieser Zeit der Geschichte
dürfen wir nichts persönlich nehmen,
am allerwenigsten uns selbst.
Denn in dem Moment, wo wir dies tun,
kommt unser inneres Wachstum
und unsere Reise zum Stillstand.

Die Zeit des einsamen Wolfes ist vorbei.

Kommt zusammen, verbannt das Wort „Mühsal“
aus eurer Haltung und eurem Vokabular.
Alles was wir jetzt tun,
muss auf eine heilige Art und Weise
getan werden und im Feiern.

Wir sind die, auf die wir gewartet haben.

Sieger-los

This little light of mine, I’m gonna let ist shine…

Versöhnung könnte auch eine weibliche Form haben: Vertöchterung. Beides meint, dass wir nach-geben im Bewusstsein des Gemeinsamen über Grenzen hinweg: Wir sind Söhne und Töchter einer Erdenfamilie. Ohne Versöhnung ist Frieden unmöglich. Erkämpft werden kann er nicht. Wenn Frieden ist, sind längst die Waffen aller Art niedergelegt. Dann gibt es nur noch Sieger – oder am besten gar keine mehr.

Laut dem Deutschen Wörterbuch der Gebrüder Grimm ist das Wort „Sieger“ übrigens „im allgemeinen den älteren dialecten fremd“.

Den Schleier lüften

Grau ist der Himmel, grau scheint die Erde. Nebelschleier verhüllen die Farben. Auch die eines zauberhaften Strauches, dessen gelbleuchtenden zarten Blütenblätter sich in die winterkalte Welt strecken. Wie kann das sein? Es ist … Magie im Spiel. Hexenhasel, Zaubernuss wird die Pflanze genannt, für die Indigenen in ihrer Heimat war sie eine der bedeutendsten Heilerinnen.

Die Virginische Zaubernuss ist eine von vielen Hamamelis-Arten. Aus Nordamerika eingewandert, ziert sie so manchen deutschen Wintergarten. Meist ungeahnt bleiben ihre schier unendlichen Einsatzmöglichkeiten auf dem Gebiet der Medizin. Blutstillend, antiseptisch, antioxidativ, schmerzstillend, harntreibend, entzündungshemmend, juckreizstillend, die Selbstheilungskräfte stimulierend: Die Liste ihrer Fähigkeiten ist lang. Die Heilkräfte verbergen sich in der Rinde und in den Blättern, die denen der europäischen Haselnuss ähneln. Zauberinnen sind sie beide.

Ich denke an Maya, als ich die Blüten der Hamamelis betrachte, an die Göttin, die aus dem Nichts alles erschafft, was wir mit den Sinnen wahrnehmen können. Es heißt, Maya täusche uns mit Trugbildern. Doch womöglich ist nicht die Materie Illusion, sondern der Schleier, der unsere Welt von den bunten Gesetzen der Schöpfung trennt.

Mit Kali auf dem Zaun reiten

Traurig, wütend, fassungslos, verwirrt – bin ich, abwechselnd, immer mal wieder. Hinter, über, unter, in mir kichert – die Hexe gemeinsam mit den Krähen. Die Zaunreiterin balanciert einigermaßen sicher auf ihrem schmalen Grat durch sichtbare und verborgene Welten, sowohl die eine als auch die andere Seite im Blick. Die Krähen kennen die Gesetze, die Hexe in mir ahnt sie oft nur. Und manchmal spüre ich sie in meinem Körper und meinem Herzen. Dann weiß ich um sie. Voller Freude, im tiefen Gefühl der Verbundenheit. Alles, was spalten will, verliert seine Macht. Ich bin offen in mir und für die Welt, die wir Erdenwesen in so vielen Facetten mitgestalten.

All die Fragen, die mich umtreiben, haben durch die Zaunreiterin, die sich nicht einfangen lässt, die Chance, eine Antwort zu bekommen – unabhängig von Sachzwängen, mir meiner Ängste bewusst, in großem Respekt vor allem und für alles, was ist:

Was heißt Frieden?

Wie können wir weiter miteinander kommunizieren?

Was bedeutet es, in Verbundenheit zu leben?

Wann sind wir frei?

Welche Energien wollen wir nähren?

Welcher ist mein, unser Weg der Heilung?

Eine Frage begleitet mich dabei wie ein roter Faden – nicht zuletzt um meiner Trauer, meiner Wut, meiner Fassungslosigkeit und Verwirrtheit den gebührenden Platz einzuräumen:

Kann ich Kali in die Augen schauen, die für den Tod tanzt, weil es ohne diesen kein Leben gibt?

* Mehr über Kali erfahren kannst du zum Beispiel auf der Webseite artedea.net/kali/

Reiher-Weisheit

Ruhe bewahren

Manchmal ist es von Vorteil, abzuwarten und die eigene Balance zu halten. Der Reiher ist ein Meister in dieser Kunst. Das Verstehen erwächst aus der Stille, in der sich die eigene Stimme Gehör verschaffen kann. Der Reiher, der mir begegnet, steht unerschütterlich auf einem Bein, nichts bringt ihn auf, er ist geschützt auf einem hohen Ast abseits des Welten-Lärms. Erst, wenn er das wahrnimmt, was er braucht, wird er sich bewegen. Entschieden und klar. So lehrt er uns, schnell, schlau, kreativ und nicht zu laut zu sein.

Neue Botschaften für den Kopf

„Das Kommende lässt sich nicht sagen. Erst, wenn es da ist, findet es die Sprache, sich selbst zu benennen“, sagte einmal die weise Schamanin Ute Schiran. Unser Gehirn ist auf vielerlei Arten mit unseren anderen Körperteilen verbunden. Vielleicht steht es an, dem Verstand vom Bauch und vom Schoß, von den Augen und den Händen, von der Leber und der Galle neue Signale zu schicken, die er zur gegebenen Zeit übersetzen kann. Also lernen wir jetzt, da der Worte zuviel und zu wenig sind, unseren Körper besser kennen. Was wünscht sich das Herz, welche Bedürfnisse hat der Darm, was tut den Füßen gut. Was bringt unsere Hüften zum schwingen und unsere Nase zum sich öffnen. Wie lachen unsere Augen und schmeckt unser Mund…

Lebensfluss

Das Wasser lässt Grenzen verschwimmen

„The river ist flowing, flowing and growing…“ Ich blicke über das Geländer der Rheinbrücke in den reißenden Strom und singe leise zum erdbraun getönten Wasser. „…The river is flowing back to the sea. Mother Earth, carry me, your child I will always be, Mother Earth, carry me back to the sea“.

Ich wünschte, die Fluten rissen uns aus dem Glauben, wir Menschen könnten dem Lebensfluss Regeln und Grenzen setzen.